Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 6 H. (12.1806)
- Article
- Über die religiöse Bildung der Frauenzimmer jüdischen Glaubens
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 485 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2304627-2304646-2304647-10856458-2314123--00613-2314695- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
--- , 485 tigkcit wiedcrfahren zu lasse». Meine Dchauptungm sind hier weder parthciisch noch unwahr. Von meiner frühen Jugend an hatte ich Gelegenheit, Frauenzimmer fast aus allen Ständen kennen zu lernen. -Ich war aufmerksam, rmtersuchtc» verglich und fand — daß im Allgemeine« viele Jüdinnen selbst vielen ihrer Elaubensbrüdern in der Kultur weit vorgerückt sind, mid daß sie in jeder Rücksicht die Achtung gebildeter Juden und Christen, — freilich mit möglicher Beseitigung alles Zunftgeistes und Haffes bcurtheilt — mit vollem Rechte verdienen. Doch sind allerdings, eben so wie unter den Christen,' auch unter den Juden nicht alle Mädchen und Weiber so gut als cs zu wünschen wäre. Bei so manchen vertritt erheuchelte Tugendliebe die Stelle der ächten Tilgend; und geschmincktc Solidität stellt sich oft dein kurzsichtigsten Auge sogleich bciin ersten Blicke dar, oder endlich übles Betragen ist das Aushängeschild ihres Charakters. Diese Ausnahmen von der Regel sind aber unter den Juden eben so wie die Ausnahmen von der Regel unter den Christen zu betrachten: der Fehler einer Einzelnen liegt hier nicht in dem Charakter der Jüdin, sondern in dem eines einzelnst! Mädchen. Das Sinken des religiösen Gefühls, das wir hier und da wahrnehmen, kann man kcineswcgcs den Mädchen allein zur Last legen; vielmehr kann man mit Recht de« Eltern den Vorwurf machen, daß sie /ür Errichtung zweckmäßiger Bildungsanstalten,-worin der Geist der Mädchen eine gehörige Richtung erhalten kann» nicht die mindeste Sorge tragen. Wenn ehemals die Ddütter das religiöse Gefühl der Töchter erweckten und belebten, so geschieht / jrtzk