Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 6 H. (12.1806)
- Article
- Einige Ideen über Mosaismus und Judenthum
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 457 (sequence 4)
- Language
- German
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frommer Einfalt, stets eingedenk des Elendes und der Drangsale seiner Mirbrüdcr, war er in süßen DetrachLungen über die Werke Gottes und seiner allwcisen Weltregierung versunken, als ihm plötzlich die furchtbare Gestalt Gottes erftl)ien, laut ihm verkündete, daß er es sey, durch dessen Vermittelung des Ewigen Wort, das dem Patriarchen ward, in Vollziehung gehen soll. Schüchtern und mit Entsetzen näherte er sich der heiligen Statte *), und mit einer Bescheidenheit, die nur vollkommen vollendeten Seelen eigen ist, suchte er unter allerlei Ausflüchten diesem Beruft auszuwcichcn und dieser hohen Würde sich zu ent-;Lehen. ״Als Gesandter des Weltregenten, des Schöpfers und Erhalters der ganzen Natur, sprach er, soll ich vor dem *) Beim MaimonideS im more nebuchim Th. I. Abschn. 5., wo er von der Untersuchung über den Gang der göttlichen Vorsehung spricht, heißt es: ״Man wage sich nicht gleich an diesen groZen und erhabenen Ge- Zenstand, ebne sich vorher durch Vernunft, Weisheit und Erfahrung darauf vorbereitet, ohne seine Sitten genau geprüft, seine Leidenschaften und verführerischen Begierden gebändigt zu haben. Man mache sich zuförderst genau vertrauet mit den Grundprinzipien dieser Wahrheit, daraus dann die andern Vernunstschlüße richtig folgen. Man düte sich sorgfältig vor sophistischen Schwärmcreien und übereilten Urtheiten : schüchtern und bescheiden, schreite man stufenweise zu Werke. So heißt eS von Moses: er verbarg sein'Angesicht? denn., ex fürchtete sich hinzuschauen zu Gott," wel- . ches .außer der gemeinen Bedeutung, daß er die Augen von der Erscheinung wandte, noch den allegorischen Sinn hat, daß er zurückhaltend mit seinen Gedanken über die verborgenen Wege der göttlichen Schickung war. Aber eben durch diese hohe Bescheidenheit ward ihm jene göttliche Inspiration ru Thrilvon welcher es heißt: Er schauere den Abglanz Gottes..