Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 6 H. (12.1806)
- Article
- Über das Wesen, den Charakter und die Nothwendigkeit der Religion
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 450 (sequence 10)
- Language
- German
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nach Ihrem ganzen Umfange zu ermessen. Mit jedem Tage, in jeder Stunde, an jedem Orte, in jedem Ereignisse entdeckt er neue Spuren der liebevollsten Gesinnungen des gütigen - Allvaters. Ein einziger achter Blick, den der Fromnie auf sich, auf sein Leben und Dascyn wirft, überzeugt ihn schon von der höchsten Vaterliebr GottcS, giebt ihm die sichersten Beweist seiner fortdaurenden Fürsorge. In jedem frohen Gefühle seiner eignen Kraft und Thatigkcir, in jeder belebenden Empfindung, welche ihm die Aeußcruug seiner materiellen und intellektuellen Kräfte angenehm machen, bey jedem guten Gedanken, bey jeder frommen Entschließung, bey jeder edlen That, findet er «in neues und sicheres Pfand der göttlichen Güte und Liebe. Mit diesen edlen Gefühlen, mit diesem sanften Feuer, das seine Brust erwärmt, sein Herz belebt und die angenehmste Regung in seinem Innern bewirkt, betrachtet er nun die ganze Natur mit allen ihren Schönheiten; jeder Sonnenstrahl, -der ihn wärmt, jede Pflanze, die ihn nährt, jede Blume» die sein Auge und seinen Geruch ergötzt, jeder Ton des Leblosen und des Lebendigen in der Natur, das sein Ohr entzückt, jeder Morgen , der ihn weckt, jeder Abend, der ihn zur Ruhe einladet, jede Bequemlichkeit, jede häusliche und gesellige Freude» alle Verbindungenuud Verhältnisse, alles, alles betrachtet er als ein Geschenk der schöpfrischen Daterhand, als die Wirkung seiner rmendlichcn Huld und Güte. — Jedoch nicht nur dasGute allein, auch die Leiden und Uebel, die ihm begegnen, läßt ihn seine Frömmigkeit als weise und gütige Verhängnisse seines himmlischen Dakers an sehen z er findet in ihnen die Mittel zu seiner Erziehung und