Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 6 H. (12.1806)
- Article
- Über das Wesen, den Charakter und die Nothwendigkeit der Religion
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 445 (sequence 5)
- Language
- German
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Bald «erben wir nun bas Gemälde eines wahrhaft tugendhaften und gebildeten Mannes vollendet haben; nur noch einige Piuseistriche, und die Darstellung wird, obgleich nicht ganz vollkommen, doch der Bewunderung und Nach, ahmung eitles jeden kultivirten Menschen geeignet seyn. Der einzige Zug, der etwa noch hinzuzufügen wäre, ist — die Gottesverehrung. Diese erhabene Tugend, weiche eigentlich unter allen Ideen der ineuschllchen Seele die herrschendste seyn must, da sie die oberste Richterin aller unserer Handlungen und Bewegungen ist, diese Ei» genschaft, welche der Grund und die Kraft zu allen unfern Pflichten ist, verdient besonders wegen ihrer Vorzüge, ihres viel umfassenden Inhalts, wegen ihrer Würde und Wichtigkeit und wegen ihres großen Einflusses auf daS Heil der Menschheit im Einzeln sowohl als im Ganzen eine nähere Auseinandersetzung. Die Frage, worin bestehet das eigentliche Wesen der Gottesverehrung, dürfte selbst denjenigen, der sie innigst fühlt, aber nicht gehörig analysirt hat, in Verlegenheit setzen; erst wird er einzelne Facta beleuchten müssen, ehe er das Ganze zu modeln vermag. — Derjenige hingegen, der sie nicht kennt, weil er sie nicht besitzt, der keinen an» dem Gesetzgeber verehrt, als seine von der Sinnlichkeit be» siochene Vernunft, — wird jene Frage für überflüßig und paradox halten. Bewundert meine Frömmigkeit, höre ich einen ©ritten rufen, Fasten und Beten sind meine Haupt» beschäf. sten: Die Bekanntmachung mit den moralischen und religiösen Pflichten) und geschähe es auch nicht in ganz reiner Absicht; denn am Ende gelangt man dennoch zur wahren Moralität.