Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 5 H. (11.1806)
- Article
- Briefe an den Herausgeber der Sulamith
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 400 (sequence 3)
- Language
- German
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Handel, für sie eröffnet ist, so hat sich cm gewisser kaufmaunischcr Geist unter den Juden verbreitet, und der ist jeder wahren Bildung höchst gefährlich. Wo man die Kräfte seines Geistes bloß auf Len Erwerb und Gewinn irdischer Euter hinleitct, wo man Reichrhümer zum einzigen Zweck seines Strebcns macht, wo man den Werth und die Würdigkeit eines Menschen nur nach dem Besitz äußerer Güter beurtheilt: da ist jeder Sinn für die höheren und edleren Güter des Geistes und Des Herzens abgestumpft, alle Empfänglichkeit für die Glückseligkeit und mehr. Wozu also das Dulden? Sie fühlen die au6 Vorurrheil entspringende Verachtung, die sic als Juden der Religion wegen trist, welche letztere sie so wie jede andere als für sie überflüssig betrachten, und finden daher ihren Zustand unerträglich. Nickt also der größere Tbcil der religiösen Juden, der freilich oft in seinem Dulden keine Grunzen kennt und aus Schwärmerei so gar das als Fügung Gottes betrachtet, wenn z. B. ein unbärtiger Lotterbube christlichen Glaubens, ihn sklavisch behandelt: er erträgt ürdessen dock sein trauriges Schicksal geduldig, indem er sich oft des ralmudischen Ausspruchs bedient: „Die Leiden Vieler dienen dem Einzelnen zu einigem Tröste l" — O wel cher Freund 1 wäre cs-cine Möglichkeit, daß Sie auf eine kurze Zeit Jude senn könnten, um sick selbst von der üblen Lage der Juden zu überzeugen, wabrlick, Sie würden über so manches, meine Glaubensgenossen betreffend, gewiß ganz anders rinderten. Man muß in der Thar selbst Jude fern, um die traurige Lage der israelitischen Nation genau zu kennen, um selbst in unseren erleuchteten Zeiten hiev und da die Behandlungsart derselben lebhaft zu fühlen und zu empfinden, um sehr vieles nicht mit einem verkleinernden Perspectiv zu sehen, und um überhaupt endlich Verschiedenes nicht auf die Rechnung meiner armen Glaubenöbrüder allein zu schreiben. — Dav. Fränkel.