Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 5 H. (11.1806)
- Article
- Über einige bei der jüdischen Nation bestandene, und zum Theile noch bestehende religiöse Sekten
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 362 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2304627-2304646-2304647-10856461-2314111--00469-2314572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
men zu werden wünschte, mußte er vorher sein ganze» Vermögen in ihre gememschaftliche Kasse legen, wovon alle Glieder dieser Sekte ohne Unterschied gleich unterhalten wurden, so daß auf diese Art keiner nichr oder weniger hatte. Sie hatten in Len Städten Häuser, worin sie unter einem Vorsteher zusammen lebten, gcwcinschafclicheKost genossen und gleich gekleidet wurden. Ihre kebensordnung war folgende: Ehe die Sonne ausgicng, redeten sie nichts mit einander, sondern verrichteten ihr Gebet bis zum Aufgang der Sonne. Nach dem Gebete wurde also jeder derselben von’ ihrem Vorsteher }u derjenigen Arbeit, welche er gelernet harte, angewiesen. Diese wurde bis um u Uhr Vormittags fortgesetzt. Sodann verrichteten sic ihre Nothdurft in heimlichen Gemächern, wuschen sich, legten neue Kleider an, und begaben sich in den gemeinschaftlichen Cpeistsaal, wo das Gebet verrichtet und einem jeden seine Portion Essen vorgesctzt wurde, welches sie, ohne ein Wort zusammenzusprechen, ,n der tiefsten Srillr verzehrten. Nach genossenem Mittagsmale sprachen sie gemeinschaftlich den Segen, legten ihre reinen leinenen Kleider ab, und begaben sich an ihre Arbeit bis Abends, sodann versammelten sic sich wie zu Mittage auch zur Abendmahlzeit, aßen, beteten und begaben sich jnr Ruhe. Eie hatten eine dreifache Regel: Liebe Gott, liebe die Tugend mrd liebe den Nächsten. Obgleich alle Mitgliedes dieser Sekte, in allen Befehlen ihren Vorgesetztenunterworfen waren, so hatten sie doch, wcnn .es auf Werke der Barmherzigkeit ankam, ihren freie» und unumschränkten Willen» nur ihren Blutsverwandten allein dursten sie ohne