Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 4 H. (10.1806)
- Article
- Einige beherzigungswerthe Erinnerungen
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 3)
- Language
- German
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Z08 jüdischen Jugend wenig oder gar nichts gethan wurde. Viele unstrcr Glaubensgenossen wuchsen roh und unwissend heran. Es giebt freilich Ausnahmen von der Regel, denn von jeher gab es einzelne jüdische Familien, die für eine zweckmäßigere Erziehung und Bildung ihrer Kinder sorgten und sie für ein bescheidenes» anständiges und ruhiges Betragen — überhaupt ein Vorzug der altem religiösen Juden vor manchen der Heurigen — empfänglich machten; indessen blieb doch ein großer The >l unserer Glaubensgenossen in Unwissenheit. Don dürftigen, oder wenigstens von solchen Eltern gezeugt, die stets von Nahrungssorgen gequält werden, waren sie von ihrer frühsten Jugend sich selbst überlassen »nd bloß ihr Wille war ihr einziger Gesetzgeber. Armselig, trocken und oft zwecklos war, trotz dem besten Willen mancher Lehrer, der Unterricht, welchen sie in ihren früheren Jahren genossen. Sie verließen die Lchrsiube ihres Praceprors, welcher beengten Herzens ihr Leiter und Muster war, ohne von der mindesten Sache irgend einen reinen und deutlichen Begriff zu haben. Denn obgleich so mancher Schatz in den Büchern unserer Ärcrn Dolkslchrer verborgen liegt, so wußten doch die gewöhnlichen bornirtcn Lehrer, ihn selten Zu finden, oder fanden sie ihn wirklich, so waren sie nicht fähig genug, denselben zum Nutzen des Schülers anwendbar zu machen. — Doch über diesen wichtigen Punkt bei einer andern Gelegenheit. — Genug, so mancher Knabe verließ die Schule verschrobenen Ge^ wuchs, ohne die mindeste Welt - und Sachkenntniß zu haben, und betrieb schon— o trauriges Schicksal! — oft am andern Tage daraufden Handel, das bekannte, dem Juden angewiesene einzige Nahrungsmittel, aus allen seinen' ' Kräf»