Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 4 H. (10.1806)
- Article
- Über die vornehmsten Ursachen des ehemaligen Verfolgungsgeistes in der Religion
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 11)
- Language
- German
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302 und sic vor zu großen Verirrungen zu bewahren; ihrer bedarf es auch noch, wenn jene schon einen höhern Grad der Vollkommenheit erlangt hat; denn die ewigen Wahrheiten der Religion können dem Menschen nicht vielseitig genug bewiesen werden. Da die Gottheit uns nicht sinnlich erscheint, so könnte die Vernunft, wäre sie ganz allein sich selbst überlaßen, leicht in Zweifel über die Wahrheit ihrer Aussprüche gcrathen, aber giebt es eine Offenbarung nnd findet sie, daß ihre eigenen Grundsätze mit den Lehren derselben übereinstimmen, so wird sie eben dadurch untrüglich von ihrer Gewißheit überzeugt. Co gehen beide Hand in Hand, beide unterstützen einander und führen den Menschen nach einem Ziele: Glückseligkeit und Wahrheit. Nur das ist als ewige Wahrheit zu betrachten, worin beide übereinstimmen, alles übrige, wo ein scheinbarer Widerspruch statt findet, ist nur unwesentlich und muß nach den Grundsätzen der obersten Richterin aller unserer Gedanken, und Urtheile modificirt werden. Doch ich komme zrr weit von dem eigentlichen Gegenstände dieser Abhandlung ab, der die Leser über die Quellen der ehemals herrschenden Jirtolcranz belehren sollte. Ich wollte zeige», daß es ungereimt wäre, äußerer Unterschiede in der Religion wegen intolerant gegen unsere Mitmenschen zu seyn, sie deswegen zu verachten und mit bitterm Haffe Hn verfolgen. Ich glaube,, dieses Ungereimte und Widersinnige wird aus dem Gesagten zur Genüge erhellen und so kann ich zu dem dritten Abschnitte. dieser Betrachtung übergehen, worin ich zeigen werde, daß ein Hauptgrund der ehemaligen Intoleranz gegen Andersdenkende in den falschen Begriffen über das Wesentliche und Nochwendige , ■' der