Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 4 H. (10.1806)
- Article
- Über die vornehmsten Ursachen des ehemaligen Verfolgungsgeistes in der Religion
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 10)
- Language
- German
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30t unserer Ideen und Handlungen consiituirt worden? Ihr darf und kann also die Offenbarung kcineswegcs widersprechen, und wo dicß geschieht, da ist eS nur Schein, da muß.man durch Aufsuchung des innern tiefer liegenden Sinnes den Widerspruch zu heben suchen. Denn Gott selbst kann sich nie widersprechen. In der heiligen Schrift koni«.te er aber nur so mit seinen Kindern reden, wie es ihnen damals, wo sie noch Kinder am Verstände und Deurtheilungskraft waren, verständlich sryn konnte. Ganz anders spricht ja ein Vater mit seinem 15 jährigen, als mit seinem 4 jährige» Sohne, und Gott sollte nicht das nämliche beobachten, wenn er mit uns redet? Was der Vater diesem sagt, muß ganz anders ausgedrückt werden, als es jenem angemessen ist; was jenem Wahrheit und Bedürfniß ist, ist es nicht diesem. Gerade so Gott mit den Menschen. In der heiligen Schrift spricht er nur mit schwachen, sinnlichen Menschen von unausgebildctcm Derstände; er mußte sich nach ihren Begriffen und Bedürfnissen richten, wenn sie ihn verstehen und nicht über dem Ausdruck« das Wesentliche seiner Lehren verlieren sollten. Aber nur dies Wesentliche ist Zweck der Offenbarung, nicht bas Bild, der Ausdruck, worin cs. eingekleibct wurde. Sobald also bei einem Volke die Vernunft ihre Reife erlangt hat, so ist es ihre Pflicht, den Kern von der Schale abzusondern; dazu ward sie ja dem Menschen von Gott gegeben; sie bleibt also auch in Beziehung auf die Offenbarung die oberste Richterin. Man sage nicht, daß es dann keiner Offenbarung bedurft hatte. Ihrer bedurfte es in der Kindheit des Menschengeschlechts allerdings, um die Dcrrmuft so stüh als möglich auf dm rechten Weg zu leiten, >4 . \ . und