Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 4 H. (10.1806)
- Article
- Briefe an den Herausgeber der Sulamith
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 6)
- Language
- German
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«89 So ist es, und so wirds bleiben , ehr sich Nicht der Staat dieser Unglücklichen erbarmt, ihnen eine Hcimath und eine schützende Wohnung giebt, und für die Erziehung und den Unterricht der Kinder Sorge trägt. Die Eindrücke, welche der Mensch in seiner Jugmd erhält, bleiben unvcrtilgbar fest in der Seele geprägt und bestimmen seine Würdigkeit und Tüchtigkeit für daS ganze künftige Leben. Die menschliche Seele, sagt Plato, ist eine unbeschriebene Tafel; man kann darauf schreiben, was man will, was aber einmal eingeschrieben ist, das vermag keine Macht jn der Welt wieder wegzuwischcn. —Darum trage man die Züge mit Weisheit und Vorsicht ein! Magna debet pucro reverentiaS. In den weniger armen und hälflosen Judenfamilien steht es zwar nicht so beklagcnswerth um die Erziehung der Kinder; aber doch auch hier muß noch mancher alt« Sauerteig ausgefegt und ein neuerer und besserer Geist ein» geführt werden. Die wenigsten Eltern haben einen richtigen Begriff von der Erziehung, und behandeln die Kinder entweder mit zn großer Strenge und Harte, oder mit zu großer Schonung und Nachsicht. Sie strafen entweder ganz zur Unzeit Mängel und Fehler, die in der Natur nnd in dem Charakter des Kindes liegen, oder sie sind zu schonend und weichherzig gegen dieselben, und verhätscheln sie. Selten wird der rechte Mittelweg getroffen. DerVgter kann sich auch nicht immer um die Erziehung der Kinder bekümmern; seine Geschäfte machen oft seine Abwesenheit nothwrndig» und auch zu Hause ist er mit Sorgen anderer Art überhäuft. Die Mutter hat eben so geschäftig für die inneren Angelegenheiten des Hauses zu sorgen, muß 1. Jahrg. Band. A auch