Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 4 H. (10.1806)
- Article
- Briefe an den Herausgeber der Sulamith
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 5)
- Language
- German
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*81 ftc mit Widerwillen mit sich herum. So wachsen die armen Geschöpfe, wie die Thiere des Feldes auf, und was ' ftc um sich sehen und hören, muß einen widrigen Eindruck auf sic machen. Sic sind oft den Mißhandlungen harter und grausainer Eltern, dem Spotte der sie umlagernden Dorfjugcnd, dem Hohn und der Verachtung der Menschen Preis gegeben; selten wirft ein Reisender einen Blick des Mitleids und des Erbarmens auf sie. In der Religio» ihrer Vater erhalten sie entweder gar keinen oder doch nur einen höchst dürftigen Unterricht. Wenn sie mwcrstandene Gebete gedankenlos hcrplappcrn, leeres geistloses Cercmonicnwcscn mechanisch mitmachcn, und sich der Form nach an ihre Glaubensgenossen anschlicßen können, — so wissen sie genug, und kümmern sich um nichts weiter. Eie ahnden nichts von dem göttlichen Geiste, der m der lautem, von allem Wust des Aberglaubens und von den Ucbcrladungen spaterer Zeit gereinigten Religion ihrer Vater waltet und lebt; sie erfahren nichts von der schlichten, edlen Sittenlchre, die in ihrer kindlichen Einfalt so rührend zum Herzen, und so überzeugend zum Verstände spricht. So von aller Welt verstoßen, am Geist und Körper gänzlich verwahrlost, mit Haß und Spott von allen Seiten verfolgt, gelangen sie zn den reiferen Jahren, in denen sie für des Lebens Unterhalt selbst sorgen müssen. Ihr Her; ist voll Bitterkeit gegen die Menschheit, die sie so feindselig behandelt; ihr Denken und Handeln ist nur darauf gerichtet, wie sie etwas erlisten und erraffen mögen; ihr Geist ist gegen jedes feinere Gefühl abgestumpft, und von der höheren und edleren Bestimmung des Menschen -haben sic nicht die entfernteste Ahndung. So