Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 1. Bd 2 H. (8.1806)
- Article
- Worin lag die vorzügliche Kultur der Griechen?
- Date
- 1806-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
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12* Der erste« schaut mit kalrcm Blicke in dir ihn umgebende Natur; seine erste Frage bei allem, was ihm vorkommt, ist: wozu nützt dieß? Findet er keine befriedigende Antwort, so hat auch die Sache fast gar kein Interesse mehr für ihn; er verachtet sie, und findet die Bewunderung anderer lächerlich. Unter allen Wissenschaften würde ihm keine elender und unnützer scheinen als die Astronomie, wenn nicht noch sein Verstand ihn lehrte, daß sie zur Schissahrtskunde unentbehrlich sey. Die Philosophie ist ihm eine müßige Träumerin, die Kunst gefallt ihm nur in so fern, als sie seine Sinne besticht. Für ein Gaumenkitzelndes Gericht opfert er gern den Genuß der schönsten Schweizergegend auf. Nicht so der Mann von Geist. Wozu nützt dieß? ist nie seine erste, höchstens seine zweite Frage. Cr kennt rin höheres Ziel des Vorhandenen als Nützlichkeit. Er schaut in der weiten Schöpfung um ihn her die Gottheit mit unverschleiertem Auge. Alles, was er erblickt, das kleinste , wie das größte, erweckt in ihm die höher» Ideen von Geistigkeit, Unsterblichkeit, und dem alles liebenden, alles umfassenden Urwesen. Ihn begeistern in den Formen der Materie die Ideale des Schönen, des Edcln, des Erhabenen; er liebt die Tugend, nicht weil sie nützlich und das Laster schädlich ist, sondern rein, um ihrer selbst willen; er würde sie lieben, auch wenn sie ihn unglücklich machte. Ein höheres Leben fließt durch stine Adem; bei Allein, was er denkt, thut, und empfinde^ ist fein Gesichtspunkt erhabener, umfassender , geistiger. Er ist Weltbür. ger im reinsten Sinne, ohne darum aufzuhorrn, rin eben so reiner Patriot zu seyn. Er kann nie Do'sewichr sey»; denn ihm ist die Tugend Bedürftüß. ' J Der