Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 357 (sequence 31)
- Language
- German
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357 mit Bewußtsein wird sie dieses Mal , und zwar ein Wunderkind, gebären. Unb. inmitten dieser wogenden, eine neue Welt aus sich gebährcnden Zeit, in dieser allgemeinen Bewegung sehn wir nun immer noch das alte Inda stehn, jetzt besonders zum Augenmerk Aller geworden, von allen Seiten betrachtet, beguckt, angcschaut und angcftaunt. Wie nimmt es sich denn aus innerhalb dieses jugendlichfrischen Treibens? Lebendig ist es noch, das sieht man deutlich, aber ist dieses Leben nicht das dahinsiechende Leben eines matten Greises wie weiland ״der klagende Jude" ihn uns geschildert, der nur noch sehnsuchtsvoll seine Todesstunde erwartete und sich verdrnßlich die Augen reibt, weil sie das Licht der Sonne nicht mehr ertragen können? ist es nicht, wenn auch den Schein des Lebens noch an sich tragend dennoch, weil ein einseitig-abgeschlossenes, auch nur ein todtcs, eines von jenen störenden Elementen in dieser jungen, energisch zur Idee des wahrhaft Allgemeinen aufstrebenden Zeit? Schon einmal sahn wir Juda mit der übrigen Menschheit eine einseitige Form abwerfen und in andrer, neuer, verjüngter Gestalt in eine neue Zeit treten. Damals aber war cs das dunkle Geschick der Geschichte, das diese Metamorphose bewirkte, die erlösende That unsrer Zeit aber ist eine That des erkennenden Bewußtseins, selber soll der Mensch sich von der Fessel der Einseitigkeit befreien, selber sich erst innerlich den Standpunkt des wahren, freien, , selbstbewußten Menschen erringen und erkämpfen und so die Schöpfung einer neuen Welt zu einem freien Werk des Gedankens machen. Dies ist das Streben, das sich offenbar in allen Erscheinungen der Gegenwart ktind giebt, an die Stelle eines bloß dunkeln Dranges ist die errungene Überzeugung, die bewußte Gesinnung getreten, Gesinnungslosigkcit ist zum härtesten Vorwurf, zu einem Schimpfwort, die Kritik der allgemeinen Vernunft allein zu einer schöpfenschcn Macht geworden, vor der nichts Halbes, nichts Ein-