Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 353 (sequence 27)
- Language
- German
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353 und des Unrechts, zu einem künstlichen Gemisch von Lüge und Schmach, zu einer drückenden Bürde auf den Schultern der Menschheit, herabsinken; ihr freies Aufstrcben wurde gewaltsam darniedergehalten , auf dem neilerwachenden Leben der Völker ruhte die schwere plumpe Hand der Tyrannei, cs im Keime zu ersticken, frech wurde die Menschenwürde erniedrigt, die ״Schamlosigkeit, Unrechtlichkcit ging ins Unglaubliche und die Sitten waren nur entsprechend der Verworfenhcit der Einrichtungen, wir sehn Rechtlosigkeit der Individuell in Ansehung des Rechtlichen, Politischen, eben so Rechtlosigkeit in Ansehung des Gewissens, Gedankens." So werden abgelebte und verdorrte Zustände immer zu einem Fluch der Völker, zu einem Sklavcnjoche, wenn sie mit der Gewalt auch das Recht, sich zu behaupten, in Ansprüch nehmen können, dieses Joch aber auf das einmal schon wache׳ Bewusstsein zu legen, ist der Tyrannei gefährlich, dieses empfindet schmerzlich seinen Druck, wird von ihm nur immer mehr und mehr aus seinem Schlummer gerüttelt, bis es endlich die volle Kraft erlangt hat, sich seiner über kurz oder lang zu entledigen, denn nur dem noch schlafenden Menschen kannst Du Fesseln anlegen, weil er sie nicht fühlt, der erwachende wird alle seine Kräfte zusammenraffen, sie zu zerbrechen. Der Mensch aber mußte erst so geknechtet und in Fesfein geschlagen werden, um selbständig und frei, aus eigner Kraft das große Werk seiner eignen Erlösung vollbringen zu können. Denn da er unter dieser Last von Schmach schon erdrückt zu sein, sich .selber schon verloren zu haben schien, da, als dasMaaß der Sünde voll war, wurde urplötzlich und mit einem Male gerade aus diesem elendesten Zustande, eben aus diesem drückenden Gefühl des Unrechts, der Sklaverei, des zertretnen Menschcti heraus, wieder ein Gedanke geboren, aber ein Gedanke, der sogleich majestätisch das Zepter ergriff, mit neuer, bisher unerhörter Gewalt ein neues Reich zu begründen: cs war der Gedanke des Rechts, der Freiheit, des wirklichen,