Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2304627-2304643-2304645-10852114-2313003--09747-2313727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
352 einer doppelten. Der Geist aber, der ewig lebendige, die innere Triebfeder der Geschichte, arbeitet durch Labyrinthe sich hindurch, wo man ihn unterdrückt zu haben wähnt, ״da gräbt er nur wie ein Maulwurf unter der Erde fort" und nnterwühlt hier das festeste Gebäude her Willkühr. So schlummerte denn nun auch schon tief in dem Schooße diescr finstern Zeit das Licht einer neuen und sandte, wie die noch vom Nachtgewölk verdeckte Sonne, nur erst einzelne Strahlen, als leuchtende Vorboten ihres nahenden Glanzes, in die Welt hinein. Schon von nach den Kreuzzügcn, jener Großthat der Hierarchie, an, sehn wir durch die folgende Zeit eine Reihe solcher morgcnverkündendcr Zeichen am Himmel der Geschichte׳ aussteigen, hoch aber alle andern überragend, leuchten sie uns entgegen aus der Nacht des Mittelalters, die zwei großen Geburten des Gedankens, die Erfindung der Buchdruckerkunst und die Reformation. Aber nur Vorläufer, Verkündiger sollten sie sein des langsam heranziehenden Tages, dieser selber hatte noch durch eine Reihe von Kämpfen und Entwicklungen hindurchzugehn, ehe er ftei und in seiner ganzen Größe, aus der Nacht des Bewußtscins emporsteigen konnte. Denn es war nicht bloß die Herrschaft der Satzung an sich, die der Gedanke zu überwinden hatte, auch ihre starren Consequenzen, die sie zurückgelassen und die sich fest in Leben und Staat eingenistet hatten, lasteten schwer aus der Welt und diese zu stürzen war das Werk der nun folgenden Jahrhunderte. Die Geschichte derselben trägt freilich schon eine ganze andre Färbung, durch die finstern Umhüllungen sehn wir da schon manchmal recht deutlich das Auslodern des erwachenden Bewußtseins, das Streben nach Befreiung Hindurchschimmern, einzelne Lichtblitze flackern auf und zerstören, wo sie einschlagen, das Bestehende, im Ganzen und Großen aber wird dennoch der Zustand desselben wenig verändert, seine Wahrheit und sein Recht nur hatte er längst verloren und mußte so natürlich mit der Zeit zu einem traurigen Zustande der Unwahrheit