Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 25)
- Language
- German
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351 Starrheit, das ist Größe, das ist.jenes Heldenthum, von demunsre erste Betrachtung, gesprochen hat. Tausende von Menschen opfern nicht so viele Jahrhunderte hindllrch ihr Leben, ihr Gut. und Blut, ihr Höchstes, ihr Alles einer bloßen Starrheit, einer eigensinnigen Idee, einem Gespenst, einem Phantom gleichmäßig freiwillig hin, lassen seinctwegen nicht so sich knechten und zum Sklaven erniedrigen, tragen seinetwegen nicht so geduldig und ergeben, ja bcgeiftcrt, die schwere Bürde des Hasses und der Verfolgung einer ganzen Welt*). Wahrlich bis hierher reicht man nicht mit der psychologischen Kategorie der Starrheit und Zähigkcit des Volksgeistes, um die Erhaltung Iuda's zu erklären, cs muß etwas weit Tieferes, Innerlicheres, Geistigeres-sein, das solchem Märtyrerthum zum Grunde liegt. Fassen wir aber einmal die Sklaverei Iuda's etwas näher in's Auge, so war sie doch eben nur wieder eine Folge, eine nothwendige Conscqucnz des Gesammtzustandes jener Menschheit. Diese war ׳ selbst längst auch nur noch zu einem innerlich und äußerlich niedergedrückten Sklaven geworden und der Sklave ist hart und grausam, wo er gcbieten kann. Die׳ einseitige Herrschaft der Kirche wurde mit der Zeit zu einem barten Joche und unter seinem Drucke mußte auch der Geist verstummen, sein Entwicklungsgang, sein Streben war auf jede mögliche Weise gehemmt, dem freien Gedanken, wo er aus Hm hcrvortrat, stellten die starre Satzung und die mächtige Inquisition sich entgegen, Alles schmachtete nur unter einer Tyrannei, Juda freilich unter *) Die Juden faßten ihren elenden Zustand selber als einen Austand der Gefangenschaft auf, indem sie die eignen und der Väter Sünden abzubußen hätten» Die Frömmsten unter ihnen, gaben sich selbst gern dem Gespött und den Mißhandlungen des Pöbels Preis und fanden darin,eine religiöse Genugthuung. Alle aber hoffen sie gleichmäßig auf eine Ankunft, die, wie aus den uns darüber vorliegenden, freilich aber alle den religiösen Charakter tragenden Anschauungen hervorgeht, eine bessre sein wird.