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Sulamith · 1834-01-01 · Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft · p. Seite 347

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sulamith
Volume
Achter Jahrgang (1834-1843)
Issue
Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
Article
Historische Betrachtungen
Date
1834-01-01
Page
Seite 347 (sequence 21)
Language
German
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347 um ihn zu widerlegen, bedarf es nur eines kurzen Blicks auf die Zugendgcschichte »och eines Spinoza oder des noch spätem Mendelssohn. Mit welcher Mühe und Noch konnten beide Männer nur ein Paar armselige wissenschastliche Studien machen, zu einer Zeit, da schon große gelehrte Bildungsinstitute der übrigen wissensdurstigen Zugend offen standen! Kannst Du an Jemanden, der von^dcr Menschheit ausgcstoßen, ein Geächteter, Verfluchter unstät in der Welt umherirrt, wirklich die Forderung stellen, er solle mit seinem Geiste für das Allgemeine arbeiten, ihm sich ganz hingeben, da dieses ihm doch gerade alle seine Augänge verschlossen hat? Mußte nicht das auf eine solche Weise umhergehetztc Juda, das nun einmal — ob mit Recht oder Unrecht sei hier dahin gestellt — jetzt noch einen besondem historischen Lebensberuf in sich fühlte, mußte es nicht sein ganzes Denken und Trachten nur auf die eigne Erhaltung richten und diese in dem isolirten und isolirenden Zudenthum suchen? Und ist denn endlich, um die Frage einmal auf ein andres Gebiet hinübcrzusetzen, das Christenthum der Hebel aller geistigen Fortentwickelung der Menschheit gewesen?- Zst seinem innersten Wesen, das wir in dieser Betrachtung eben so wenig als das des Zudenthums zu untersuchen haben, nicht auch neuerdings all's und jedes Bildungsprinzip recht kräftig abgcsprochen worden und sollte messen konnte und suchte zu glänzen in der Astronomie, Astrologie, Medici», Philosophie, Linguistik und Poesie. Auf kein Zeitbild des Judenthums zogen die Verhältnisse der Umgebung so tiefe und markirende Furchen, als auf das von dieser Periode; sie erzählen ihrer Nachwelt deutlich, welch' ein Lebensschicksal sie erfuhren, ob eine freie menschliche Behandlung ihnen des Erheben zur forschenden Spekulativ» und den Aufschwung zur begeisternden Poesie gestattete, oder ob die tyrannische Geißel sie unbarmherzig zwang, die isolirenden Cercmonien auszubilden, in dem Wahne, durch sie di« erzürnte Gottheit zu, versöhnen, in Elegien und Klagetönen den brennende» Rachedurst zu kühlen und dem enggeschnürten Herzen Luft zu machen."

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