Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 345 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2304627-2304643-2304645-10852114-2313003--09740-2313720- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
345 zu gcrkren? Jene Starrheit, die man Zuda so oft vorgeworfen, sein Haß und Fanatismus ist eben nur die eiserne Starrheit, der Haß, der Fanatismus jener ganzen Zeit, bei ihm lange noch nicht so ansgestachclt, als es die grausame Aurückstoßung, Verachtung und Verfolgung hätte zur Folge haben müssen. Und seine aiierkannt lebendige Geistesthätigfett, durch ein schweres Sklavenjoch darniedergebeugt und von der übrigen geistigen und wissenschaftlichen Welt ausgeschlossen, mußte sie sich nicht nochwendig nur in das isolirte Zudenthum und dessen Institutionen flüchten und hat man sich denn die Mühe gegeben, diese so genau kennen zu lernen, um ihnen von vorn herein alle und jede Entwicklung absprechen zu können? *) Ein Vorwurf aber, den nur die nie- *) Neuere jüdische Theologen, Gelehrte und Literarhistoriker fangen allerdings eine solche Entwiülung des Judenthums und der jüdischen Theologie durch die jedesmaligen Aeitrichtungen hindurch, historisch zu beweisen an. Hier nur zum ׳Belege einige Stellen aus dem in mancher Hinsicht recht schätzensnnd empfehlenswerthen Werke von Or. Formstecher (Rabbiner zu Offenbach a. M.) ״die Religion des Geistes" (Franks, a. M״ Herrmannsche Buchhandlung 1841): ״Die subjekriv-midraschische Lhatigkeit zeigte sich mit einer solchen Energie, daß das moderne , den lokalen und temporellen Verhältnissen nachgebende Element ein bedeutendes Übergewicht über das antike gewann und drohte durch die rabbinischen Institutionen die biblischen, absolut wahren Lehren zu verdrängen." — ״Neben dieser seiner Vertretung (durch die Sekte der Karaim) findet das antike Element allerdings noch feine Pflege in der allgemeinen Judenheit, die Sabath- und Festfeier, die Ceremonieen und Ritualien wurden mit derselben Gewissen- Hastigkeit beobachtet, mit welcher die frühern Lalmudlehrer sie empfahlen, in der Form des jüdischen Lebens prägte das antike Element sich aus, unter derselben aber barg sich vielfach der Geist moderner Weltanschauung. — Obgleich isolirt nahm der Jude dennoch die Sprache, die Sitten, die Kleidung und die Manieren seines Wohnorts auf, schloß sich der Bildung seiner Umgebung an und suchte nur dem neu Aufgenommenen ein jüdisches Colorit zu geben. Die antiken Institutionen durchdrang ein neuer Geist, der Sabbath war nicht mehr bloß ein Ruhetag in Beziehung auf irdische Geschäfte, an dem Pflug und Sichel nicht berührt werden sollten, sondern, ein heiliger Lag, 6*