Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 344 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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344 der wirkliche, ganze, volle Mensch, der diese Greuel verübte? Kannst du die Hohhcit und Würde des Menschen so erniedrigen, daß Du geflissentlich gerade nur in ihm die Ursache solcher Schmach suchen willst? Daß Juda nicht gestorben war, daß -die Geschichte cs lebendig, trotz der blutigsten Verfolgungen lebendig erhalten hatte, das war cs, was man ihm nicht verzieh, heut noch nicht verzeihen kann. Aber macht sich nicht Jemand, der sich an meiner Existenz ärgert, nur höchst lächerlich, wenn er mir dieselbe zum Vorwurf macht? Will alles noch Lebende sich nicht auch als solches behaupten und giebt cs in der That solche lebendige Leichen, die zweitausend Jahre für ihre Erhaltung kämpfen und bluten können und in diesem Kampfe nicht unterliegen? Wider Willen von der Geschichte, durch einen unerklärlichen Stoß, mitten in die Welt, in die Menschheit hincingestreut, mußte sich ja Juda nothgcdrungen ihr anschließcn, war es auf sie ja nur angewiesen, war ja ihr Interesse, ihr Schicksal auch das scinige, ihre Gesammtcntwicklung auch die seinigc geworden, sie aber stieß es von sich und so konnte es denn weiter nichts thnn, als sich in sich zurückziehn, sich ebenfalls mit einer Mauer umgeben und diese bei der zunehmenden Verfolgung nur immer fester und starrer machen. So aber trug es denn nur nothwendig den Charakter seiner Zeit, hatte die Naturbestimmtheit, den natürlichen Separatismus, der die alte Menschheit von einander geschieden hatte, in jenen geistigen umgeschaffen, der die neue auseinanderriß. Durch ihn, mir allen seinen, wenn auch sürchtcrlichcn, Consequenzcn hatte dieselbe erst hindurchzugehn, um zu ihrem Begriff zu kommen, und Juda hat hier weiter nichts gethan, als diese Entwicklung mit der übrigen Menschheit durchgcmacht, seine Schuld ist hier nur, auch ein Bestehendes innerhalb des Bestehenden sein zu wollen und man kann doch ihm wohl nicht den Vorwurf machen, daß dieses Bestehende sich als ein Absolutes, Letztes, Widerspruchsloses dachte und auch die Macht in Händen hatte, sich als solches