Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 341 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2304627-2304643-2304645-10852114-2313003--09736-2313716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
541 nein, ob sie auch christlich sind, das ist nun der Maaßstab, an dem die Dinge und Menschen gemessen werden, wonach ihr Werth oder Unwrrth bestimmt wird, alles noch so Allgemeinmcnschliche, das diesen Stempel nicht an sich trägt, wird verworfen, verachtet, verfolgt und wo möglich auch vrrnichtet und so sehen wir den» nach und nach (bis in unsere Lage hinein!) jene Begriffe einer ״christlichen" Liebe, eines ״christlichen" Staats, einer ״christlichen" Wissenschaft, Weltanschauung u. s. f. entstehen, Begriffe, die jedem gesunden Sinn schon an-, in- und für sich selber so konkret find, daß sie durch dergleichen Prädikate - nur zu hohlen, wesenlosen Abstraktionen werden. So war denn schon ftühe das Princip der Alles umfassenden. Nichts von sich ansschließenden, Nichts verdammenden und verwerfenden Liebe wieder in eine harte, schroffe Einseitigkeit unter- oder zu Grunde gegangen, d. h. richtig verstandeil! nur ein unten Liegendes, Zurückgcschobenes, Sekundäres, Zweites geworden! Als einen historischen , von der Geschichte hingcstcllten Gegensatz dieses einseitigen Strcbens, nicht als einen offensiven Gegner desselben, sehen wir min gleich anfangs Zuda dastchen, in seiner bloßen äußern Fortexistenz. Die alte Kirche sah diesen ihr überall in Fleisch und Blut entgegentretenden Widerspruch schon ganz richtig ein, er war ihr ein Dom im Auge, so gut wie den heutigen frommen Histvriosophcn und Politikern, und so wie diese ihn mit moderncn Waffen gern geistig, moralisch vernichten wollen, so wollte cs jene schon mit Feuer und Schwert. Gewaltsames Bekämpfen aber und gewaltsames Zgnorircn einer Erschcinung, die einem täglich unter die Augen tritt, ist gleichbedeutend, beides e ine Würdigung derselben! Der Character und die Aufgabe der Geschichte Zuda's, von seiner Zerstreumig an, ist eben, keine besondere Geschichte mehr zu sein, sich der Welt hinzugeben, anzuschmiegen in ihrer Gesammtrntwicklung nur zu leben, aus ihr nur Lebenskraft und Nahrungöstoff zu saugen, mit ihr innerlich und äußerlich zusam-