Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 12)
- Language
- German
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338 geblendet, frei indas große Buch der Weltgeschichte blicken, sehen auch diese Erscheinung dort mit tiefen Zügen eingegraden und suhlen uns auch berufen, sie von da aus in unser Bewußtsein, in unsere Weltanschauung aufzunehme». Das auf einem Erdwinkel abgeschlossene, das alte Juda freilich hatte in dieser neuen Welt das Recht des Bestehens verloren, dieses Recht hatte ihm aber die Geschichte selber schon genommen, sie hatte ja seine einseitige Staatsform vernichtet und es war ja schon ein neues, ein obwohl schmerzlich, befreites, in die Allgemeinheit versenktes, mit der Welt vcrmitteltes'Zuda, aus dem das große Christcnrhum hervorging. Wohl liegt in dem alten Iudenthum schon das Christenthum innerhalb der Schranke ״des Nationalinteresses, des nationalen Egoismus," wir aber brauchen nicht in unserer Anschauung erst ״diese Schranke fallen zu lassen," die Geschichte selber hat dafür gesorgt sie zu zerbrechen, nachdem sic ihrer nicht mehr bedurfte. So sank vor ihrem Hauche auch das schöne, aber nur an sich freie Griechenthum mit seiner seligen Götterwelt dahin, so später das allmäehtige Römerthum, das es in sich verschlungen hatte, mit ihnen beiden aber auch'das Volk der Griechen und Römer, weil fte an die Bestimmtheit des einseitigen Volkslebens gebunden, ohne dasselbe nicht bestehen konnten. Nur Juda sehen wir kraft seines universellen Characters, seiner Weltaufgabe in anderer, neuer, verjüngter Gestalt aus dem Schutthaufen seines Staats hervorgehen, nicht als ein Volk, sondern als ein universeller Gedanke, der in die beiden oben erwähnten universellen Erscheinungen auseinander gespalten, in diesen seine vorläufige Existenz fand. Beide so aus Einer Wurzel entspringend, sollten nun, mit einander unvermittelt und von einander abgewandt, auf demselben Wege durch die Geschichte der Zukunft gehen: das neugeborene Christenthum hatte-sich in die Welt einzubilden, mit ihm aber auch das wiedergeborene Zuda. Diese Welt aber, wie sie jeht noch bestand, war dazu noch nicht der geeignete Boden. Dieser mußte