Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 9)
- Language
- German
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335 erhoffte Messias, der zum ersten Male die engen Banden zerbrach, in denen die Menschheit so lange gelegen, denn obwohl nur ein Gedanke, ist er dennoch die höchste, die realste Macht, der allein die Herrschaft gebührt und vor der das ganze.stolze Universum demüchig in den Staub sinkt; diese aber bisher nur innerhalb der Menschheit, nur in dem Leben der Einzelnen und der Völker in beschränkter Weise sich offenbarend, sollte jetzt als allgemeine weltgeschichtliche Macht austrcten. Und jetzt war nun auch die Zeit erschienen, in der Juda aus dieser allgemeinen Bewegung des Geistes plötzlich auftauchen und seine erste weltgeschichtliche That vollbringen sollte. Denn für diesen hcrandämmernden Morgen eines neuen Tages, für diese Zeit einer sehnsüchtig der Erlösung harrenden Menschheit hatte die Geschichte es erzogen und aufbewahrt, so gut wie jene jugendlich-frischen Bölkerstämme, die. bald aus dem Innersten Asiens, aus den dunklen Wäldern der Mitternacht> aus der Abgeschiedenheit der arabischen Wüste hcrvordrangcn und das wijdc Rächerfchwert über der unzüchtig, zur Hetäre gewordenen Roma schwingend, derselben den letzten Todesstoß versetzten. Langsa m u n d in tiefer Abschlosscnhcit, durch viele Kämpfe und Gegensätze hindurch, hatte' sich in ihm sein Bewußtsein, sein der Menschheit angehörendcr universeller Gedanke für dieselbe entwickelt und als sie endlich reif geworden ihn zu cmpfangcn, als eine unbestimmte Sehnsucht nach ihm sie ganz erfüllte, da war auch Juda reif ihn zu geben, liebend mußte es ihn ihr entgegentragen und sein Panier aufpflanzen inmitten der seufzenden Völker. Von der Geschichte schon seit längerer Zeit aus seiner Zurückgezogenheit herausgerifscn, war es mit dm verschiedensten Hauptrichtungen der alten Welt in Berührung getreten, hatte von ihren Ideen in sich ophenschulen geworden, so der Pcrivatctiker und namentlich der Stoiker, seneka feiert ihn schon, in erhabnem Schwünge derRede als die höchste Äugend, ebenso wie Philo, der Jude. ...