Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft
- Article
- Schreiben eines studirenden Israeliten an ...
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2304627-2304643-2304645-10852112-2312988--09672-2313681- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
306 schäften bewandert, zugleich aber auch gleich den alten Rabbinem auf dem Oceane des Talmuds ein geübter Schwimmer sei; von ihm wird verlangt, daß er nicht bloß wie die ftühern Rabbiner zwei Mal im, Jahre, sondern jeden Sabbath und jeden Festtag predige, schön, ausgezeichnet predige, daß es gefalle den Neuern und den an die Dcraschos (talmudische Vorträge alter Art) gewöhnten Alten; daß es sich nicht auf dem kaltlaffenden Gebiete des Allgemeinen halte, aber doch auch nicht auf dem schmalen Stege der konkreten Kcitfrage.n, der sp mellen Angelegenheiten des Kultus, des Rituals, der Schule, der Reform, der Lehre und des Heutigcn Judenthums, sich so bewege, daß cs der einen Partei zum Ärgcrniß, oder der andern zum Spott, oder der Gemeinde Anlaß zur innern Zwietracht werde. Dazu soll er auch außer den Fest- und Fast-, Sabbath- und Neumondstagen, täglich, wenigstens wöchentlich, zwei Mal den Gottesdienst besuchen, Religions-, Consirmandcnunb andern Unterricht in der jüdischen Schule crtheilen, die casuistischen Anfragen entscheiden, bei jeder Trauung eine Rede halten, in jeder Gemeinde seines Rabbinats cönsirmiren, die Schule inspiziren, Lehrer und Schächter cxaininiren, und, was schwieriger als Alles, auch — — Heuchler sein. Er muß fromm fein, sonst ist er kein Rabbiner, sprechen die Frommen;׳ er muß fromm sein, wenn auch nur äußerlich, dafür bezahlen wir ihn ja, sagen die Nichtfrommen; er darf sich nicht ertauben, was uns erlaubt ist, sonst ist er nicht unser Sundenträgcr, sagen die, welche nicht wissen, was sie sagen; er muß sich verstellen, sonst ist der Hader vor der Thür, wollen wiederum die Andern. — Himmel! ich soll auf der Höhe der Zellbildung stehen, und doch mit dem Geiste der Erleuchtung, der Wissenschaft und der Philosophie den eingcfleischtcn Orthodoxen alter Art in mir vereinigen! ich soll tauscndkünstlcrisch Allen, den Alten und den Nceien gefallen, und mein Leben und meine Ansichten mit der bewegten Zeit, mit -dem Fortschritte der Wissenschaft und zugleich mit dem