Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft
- Article
- Schreiben eines studirenden Israeliten an ...
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 3)
- Language
- German
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305 durch den Besuch der christlichen Anstalten die Scheidewände zwischen Christen und Juden steten.— Ein Weg bliebe mir also nur noch übrig.-Den Rcligionswechsel meinst du? Freilich würden mir dadurch alle Bahnen des Verdienstes und der Ehre geöffnet, nichts würde mich dann mehr hindern, mein Brod zu finden, meinen Durst nach Kenntnisten und wissenschaftlicher Ausbildung, nach gemeinnütziger Wirksamkeit zu befriedigen. Schon das Studiren würde mir durch Stipendien und Unterstützung erleichtert, wie meine alsbaldige Beförderung durch einflußreiche Pathen und Judenbckehrer bewirkt. Doch so Etwas besorgst du nicht von deinem Freunde. Nein, so leichtsinnig bin ich noch nicht geworden, die Religion, die christliche wie bie jüdische, so zu schänden. Wie sollte ich jene christliche Einweihungs -Ceremonie zur Prämie, zur Assekuranz der Heuchelei herabwürfeigen! Und mein jüdischer Glaube — ich müßte nicht an die Vorsehung, die mich in dieser Confcsston hat geboren werden lassen, glauben, wollte ich eigenmächtig meine angeborene Religion , weil sie nicht mehr Staatsreligion , wie meinen alten, die Staatsmode nicht mehr mitmachenden Rock oblegen. Was würde aus den Religionen werden , wenn sie zu Gegenständen des Tauschhandels herabsänken? was aus allem Hohem und Heiligen, wen'n das Höchste, das Heiligste so unbedenklich für irdische Güter verschachert würde? was aus meiner unterdrückten Glaubcnsgcnossenschaft, .wenn sich gerade die Befähigtern, die Gebildetem von ihr trennten, und ihr so die pccuniärcn Mittel zur Erhaltung der Synagoge und Schule, wie die moralischen und intelligenten Kräfte entzögen? — Nein, ich meine das theologische Studium. Als Rabbiner fände ich auch ohne jenen Schritt mein einstiges Brod; fände ein großes Feld, Heilsames zu wirken. Allein wenn mir auch die Predigtgaben glücklicherweise nicht fehlen, mit welchen Schwierigkeiten hat der Heutige Rabbiner zu kämpfen! Von ihm wird gefordert, daß er gleich dem christlichen Prediger in Sprachen und Wissen-