Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft
- Article
- Schreiben eines studirenden Israeliten an ...
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 2)
- Language
- German
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304 legenheit ist grenzenlos. Mein Abiturienten-Examen ist destanden; die erforderlichen Vorkenntnisse zum Studiren auf der Universität habe ich erworben; aber welches Fach mm studiren? Das ist die peinliche, Lag und Nacht meine EItern und mich quälende Frage: Zum ärztlichen Fache habe ich durchaus keine Neigung.. Zudem hätte ich als Jude, als deutscher Jude, der mehr zum Leiden, als zum Heilen geboren, keine Hoffnung zu einer Anstellung als Arzt. Eben so wenig darf ich als Jude Apotheker werden. Soll ich Jurisprudenz, Cammeralia, das Forst- oder Bauwesen stu- Viren? Aber alle diese Wirkungskreise sind ja dem Juden meines Vaterlandes verschlossen. Oder soll ich der so unsichern Hoffnung, es werde der Jude bald zu jeglichem Staatsdienste zugelassen werden, meine beste Jugendzeit, mein ganzes, beschränktes Vermögen zum Opfer bringen? — Zur Philosophie hätte ich große Lust; aber wiederum steht mir die Religion im Wege. Wer in unserm Lande nur an den einzig - einigen Gott und Belohnung im ewigen Leben allein glaubt, wird mit seinen Ansprüchen an jene Welt verwiesen. Die Philologie war immer mein Lieblingsstudium; gern würde ich mich ihr widmen; aber würde ich als Jude je an einer Universität oder einem Gymnasium eine Lehrstelle erhalten? Die heidnische, griechische, und lateinische Literatur würde die Schulen nicht gefährden, aber mein Glaube an den einzig-einigen Gott könnte sie entchristlichenl! Soll ich grollen mit der Vorsehung, daß sie mich nicht ausgezeichnet — als Musik-Genie, das Einzige, worin der Israelit gleiche Berücksichtigung mit dem Christen sindet? — Man riech mir, das Lehramt an jüdischen Schulen zu wählen. Allein außer dem Religionsunterricht und etwa noch einigen Brosamen Hebräisch, wird an den meisten Orten für jüdische Schulen nichts verlangt; die Jugend soll den ganzen übrigen Unterricht in den christlichen Schulen erhalten; das erfordert hier der Mangel an Mitteln für vollständige israelitische Schulen, dort das Borurthcil, daß