Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft
- Article
- Amtliche Anrede des Herrn Bürgermeisters zu Würzburg, bei Gelegenheit der neulichen Rabbinerwahl daselbst
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 3)
- Language
- German
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301 dies für ihn eine nicht wohl lösbare Aufgabe, wenn er nicht in den verschiedenen Zweigen des menschlichen Wissens, in der Philosophie, Naturlehre, Geschichte, Sprachkunde re. bewandert ist. Darum ist es der Wille Sr. König!. Majestät : L daß nur wissenschaftlich gebildete Männer als Rabbiner angcstellt werden sollen. Za, meine werthe Versammlung! den Glanz, den ein wissenschaftlich gebildeter Rabbiner um sich verbreitet, fällt auch auf die Gemeinde zurück, die ihn zu ihrem geistlichen Vorsteher erwählte. Sie sonnt sich in seinem Ruhme, und der Wunsch der Israeliten!!ach' bürgerlicher Gleichstellung könnte seiner Rcalisirung dadurch näher rücken. Was hat den Namen eines Philo, Maimonides, Hilcl, Mendelssohn u. A. einer Nachwelt aufbewahrt? Ihre Gelehrsamkeit. Unscr Zeitalter rühmt sich in der Wissenschaft keinen Rückschritt gemacht zu haben. Ja, es will Keinem in einem öffentlichen Amte Geltring zukommen lassen, wenn es ihm an wissenschastlicher Bildung fehlt. Man wähle also einen wissenschastlich gründlich gebildeten Mann. — Aber der Anfang der Weisheit ist die Furcht Gottes, sagt die heilige Schrift. Wissenschaft allein ohne Gottesfurcht, ohne strenge Sittlichkeit des Charakters bläht auf und ist die Quelle mannigfacher Übel. Der Kopf sei erleuchtet, das Herz sei edel. Mit Beredsamkeit und Wissenschaft in seinem Vortrage verbinde der Rabbiner die Macht des guten Beispiels. Sonst könnte man ihm entgegnen: Du thuest selbst nicht, was du predigst. Der Rabbiner muß nothwendig das Vertrauen und die Liebe seiner Gemeinde haben, wenn er etwas wirken soll. Wodurch.anders aber als durch streng sittenreines, fleckenloses Leben kann man sich Vertrauen und Liebe erwerben und sichern? Die Jugend ahmt gerne nach. Sie thut aber lieber das, was-sie sieht, als das, was sie hört. Der Rabbiner, der stark ist im Vertrauen auf Gott, demüthig in seinem Sinne, aufrichtig