Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft
- Article
- Literatur [Rezension]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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297 anderen religiösen Überzeugung, als die Eurige ist, aber es gilt doch der religiösen Überzeugung, ihrer Ehr-, ihrer Treue, ihrer Ausdauer. Ware uns die Religion ein Äußerliches, das man anlegt, wie die herrschende Farbe des Tages, wie die Uniform seines Herrn, wir brauchten uns nicht abzumühen, um zu den ersehnten Rechten zu gelangen. Die Achtung vor der Religion, vor dem Christenthume selbst, das wir zu entweihen glaubten, wenn wir uns seiner als Mittel zur Gewinnung des vollen Bürgerrechts bedienten, ist die Seele unseres Strebens. Darum sollten Alle, die an ein Höheres, an ein Geistiges, an eine göttliche Wahrheit, an eine menschliche Wahrhaftigkeit glauben, einen Bund schließen gegen Knechtschaft und Lüge und Gemeinheit. Ihr sagt, der Staat solle sich nicht gleichgültig verhalten gegen christliche Lehre und christliches Leben. Wir raumen diese von Eurem Standpunkte billige und natürliche Forderung ein. Aber hat er nicht Tausend Wege, christlichen Sinn und christliche Überzeugung zu fördern, ohne sie durch dargebotene äußere Vortheile zu verdächtigen, und die Treue, die einer anderen, freien und innigen Überzeugung gewidmet wird, durch Druck und Ausschließung zu versuchen, oder, wenn die Versuchung fehl schlägt, zu bestrafen? Ihr fordert mit vollem Recht, daß jede Thätigkeit, die mit dem Christenthume in einem inneren, wesentlichen Zusammenhange steht, an das Bekenntniß desselben geknüpft werde. Wo die Gränze solcher Thätigkeit zu ziehen sei, das mag in einzelnen Fällen zweifelhaft scheinen; doch darüber wollen wir nicht mit Euch rechten; mag es Eurer gewissenhaften Einsicht überlassen bleiben, wie weit das Gebiet des Christlichen hier auszudehnen sei. Aber so weit kann es sich unmöglich erstrecken, wie sich die Ausschließung und Bedrückung der Juden in Preußen und anderwärts erstrecken; und daß diese weiter, unendlich viel weiter gehen, als die inneren Beziehungen des Christenthums, so weit man diese auch ausdehnen möge, reichen können, das kann der Religion, das kann dem Christenthume unmöglich frommen. Wenn man, wo die Barbarei noch Ln voller Blüthe steht, Christ sein muß, um die gewöhnlichsten Gewerbe zu treiben, 3*