Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft
- Article
- Literatur [Rezension]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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292 Mund nicht verschließen, und die Redner öffentlich, und wenn es die Gelegenheit erfordert, in der Gemeinde sprechen. ״Wo verstecken sich denn euere klugen Leute und unter welchen Scheffel stellen bei euch die Weisen ihre Lichter?" könnte Einer bei uns fragen, der aus einem solchen Lande käme, und vergebens fragt man nach den Orten, wo die Weisheit, die Religion, die Musen Jedermann Audienz ertheilen. Wie gesagt, die Juden in den bezeichncten Ländern haben noch jetzt Manches von dieser alten Sitte. Ihre Rabbincn halten es für Pflicht, täglich für Jedermann zu Hause zu sein. Namentlich aber sitzen sie an den Feiertagen von Morgens früh bis Abends spät bei offenen Thürcn, aller Welt zugänglich, in ihren Wohnungen, die weniger für Privatwohnungen als für Gemeindehäuser gelten. Zn der Regel findet man in einem Vorzimmer ihre Frauen und Töchter, die dann den Gast in das Zimmer des Vaters geleiten. Er sitzt, mit einer Amtstracht angethan, am Ende einer langen Tafel, unter einer gewöhnlich nicht geringen Zahl von Besuchern, Fremden und Befreundeten. So fand ich es auch bei Rappapvrt, den ich kennen zu lernen begierig war. Er saß in einem Lehnsttihle, einheimische und fremde Israeliten ans Magdeburg, Hamburg, Warschau, Amsterdam um ihn herum, anderer Besuch ging ab und zu. Zch freute mich, aus so verschiedenen Gegenden Männer beisammen zu finden. Sie sagten, es sei eine alte Sitte, daß sich die Fremden beim Rabbiner finden u. s. w. Rappaport ist ein Aronitc (Cohn); Leviten sind in Prag weniger zahlreich als dieAroniten. Und dieses Berhältniß findet, sagten sie, in allen jüdischen Gemeinden Eurvpa's Statt, weil Cyrus, als er Jerusalem wieder hexstellte, mehr Aronitcn als Leviten mitgebracht(?) habe. — —. Rappapvrt erzählte uns, die südlichen Karaiten in der Krimm und der Türkei haben kürzlich einen Stein gcsunden, durch dessen Zuschriften sie ein sehr hohes Alter ihrer Sekte zu beweisen gesucht haben. Allein er habe diese Mci-