Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft
- Article
- Literatur [Rezension]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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288 über die Moldau zu den Weisen der Juden Hinüber und ließ fragen, was die Verfinsterung des Himmels bedeute. Sie erklärten es ihm und sagten, es habe eine cngelgleiche Seele so eben die Erde verlassen. — Solcher sonderbaren und interessanten Geschichten und Sagen lausen inanche unter der Prager Zudenschast um, und wenn man sie hört, sollte man oft meinen, man sei im alten Babylon zur Zeit der Herrschaft Nebukadnezars, so sehr gleichen sich noch jetzt alle Vorfälle, alle Charaktere und die Weise, sie aufzufassen, zu erklären und zu erzählen. Ein anderer reicher und wohlthatiger Prager Jude, dessen Grabstein — im Anfänge des vorigen Jahrhunderts, glaube ich, — hier errichtet wurde, hieß Meisel. Dieser Mann erbte von seinem Vater nichts und handelte sein ganzes Leben hindurch mit altem Eisen. Er lebte so bescheiden, ja so kümmerlich und ärmlich wie die andern armen Juden Prags. Aber er baute für das Gold, welches er ersparte, das jüdische Rathhaus in Prag und vier Synagogen. Er ließ sechs Straßen pflastern und wöchentlich sechszigArme speisen. Nie hat man erfahren, woher er sein Geld hatte und auch nicht, wo er cs hatte. Man glaubt, er habe bei einer Portion alten Eisens, das er billig gekauft, auch eine Menge beschmutzten Goldes gefunden. Wie jene Tugcndhelden. bei deren Tod sich der Himmel verfinstert, findet man auch solche Charaktere auf allen (?) alten Zudenkirchhöfen. Unter den Häusern, die an den Kirchhof stoßen, befindet sich auch die jüdische Kleinkinderbcwahranstalt, das jüdische Siechenhaus und ein Krankenhaus. Diesen kleinen Kindern hat man erlaubt, durch die Mauer ihres Hauses, die zugleich die des Kirchhofs ist, eine Thür zu brechen und׳ einen klcinen leeren Winkel desselben als Spielplatz zu benutzen. Ich muß gestehen, ich konnte die Kleinen dort in ihrem engen Kirchhosswinkel, mitten unter den zahllosen Grabsteinen, sich nicht umhertreiben sehen, ohne mich zu fragen, welchen Einfluß ein solcher Spielplatz auf ihren Geist haben müsse. Die