Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft
- Article
- Literatur [Rezension]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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Um die ganze Lodtciistadt herum, hart an der inncrn Seite der Mauer, führt ein Fußweg hin , und man hat eine gute Viertelstunde rasch zu gehen, um ganz herum zu kommen. Da die Juden, wenigstens'die Prager, nicht wie wir, nachdem die Gebeine eines Beerdigten vermodert sind , den Begräbnißsleck für andere Leichen benutzen, sondern immer eine Leiche neben oder über die andere legen,*) so sind die Leichensteine auf ihrem Kirchhofe. Sie stehen hier buchstäblich so dicht wie die Garben auf einem Acker u. s. w. Durch ein Labyrinth von Hollunderbäumen und Leichensteinen führen hin und wieder kleine enge Fußwege. Wer sich aber in das Dickicht hineindrängt, entdeckt hie und da kleine, erhabene, freie, bloß mit Gras bewachsene Stellen. Ich muß gestehen, wenn ich ein Maler wäre, der die Auferstehung der Lobte» darstellen wollte, ich wählte einen dieser freien Gras- Plätze des Prager Zudenkirchhofs, um diesen Akt zu bclauschm; man könnte diese Erscheinung nirgends Malerischer erleben, als hier, und mich wundert, daß wir bis jetzt bessere Gemälde vom berühmten Türkenkirchhof bei Konstantinopel haben, als von diesem jüdischen Kirchhof in Prag. Die Znschriften der Leichensteine sind immer hebräisch. Die böhmische Sprache erscheint nirgends, auf den meisten Sreinen der jüngst verstorbenen Juden ist aber neben der hebräischen die deutsche Sprache gebraucht.**) Die Jahreszahl steht immcr oben auf dem Stein. Als Kaiser Joseph vor 60 Jahren die Beerdigungen innerhalb der Mauern der Städte verbot, hatten die Juden eben noch ein kleines Stück Land angekauft und es gleich- *) Dies letztere geschieht in einigen wenigen andern Gemeinden, wie wohl auch nur in seltenen Fällen, als z. B. bei Überfüllung des Lobtenackers nach Ablauf vieler, vieler Jahre, durch hohes Überschütten der alten Gräber, mit Erde. D. H. **) Dies ist seit mehreren Jahren in verschiedenen deutschen israe: litischen Gemeinden der Fall; in Desau schon seit vielen Jahren (auf der Rückseite der Leichensteine), D. H.