Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft
- Article
- Literatur [Rezension]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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284 Jahreszahl trägt der angeblich älteste Leichenstein auf ihrem Kirchhofe , auf dem sich außerdem noch mehrere andere befinden, welche Jahreszahlen aus dem achten Jahrhunderte arlfwciscn. Die böhmischen Gelehrten gönnen den Juden diesen Ruhm eines so hohen, authentisch nachgewiesenen Alterthums nicht, und meinen, jener Stein könne deswegen nicht wahr reden, weil die Juden ihre jetzigen Stadtquartiere erst seit wenigen Zahrhunderten inne haben. Sie wohnten früher auf der linken Seite der Moldau, wurden aber, ich glaube im sechszehnten Jahrhundert, auf Befehl des böhmischen Königs auf die rechte hinüber gewiesen, wo sie noch jetzt denjenigen Lheil von Prag inne haben, der die ״Zudcnstadt" heißt. Ein böhmischer Gelehrter sagte mir, jene Jahreszahl 632 bedeute wahrscheinlich so viel als 1632, wie man denn noch jetzt in Österreich die Lausende der Jahreszahlen häufig nicht anführe und z. B. allgemein sowohl schreibe als spreche 842 statt 1842.*) Wenn die Juden Recht hätten, so fiele der erste Anfang ihrer Gemeinde noch unter die Herrschaft des berühmten slavischcn Königs Samo, welcher von Böhmen und Mähren aus ein großes slavisches Reich stiftete; und an und für sich wäre es gar nicht unwahrscheinlich, daß dieser mächtige Herrscher, unter dessen Regierung bereits vom Handel Böhmens gesprochen wird, auch Zuden in seiner Hauptstadt gehabt. Freilich ist es nicht bestimmt gesagt, wo dieser König seinen Sitz hatte, und es wird erst von seinen Nachfolgern Krok und Libtissa behauptet, daß sie Prag gestiftet. Allein da es nach Ptolomäus beinahe außer Zweifel ist, daß schon die alte Hauptstadt des mächtigen Marbod und seiner Markomannen, Sinrobnäuw genannt, auf demselben äußerst günstigen Platze lag, wo später Prag gebaut worden, so hat höchst wahr- *) Die alten Inschristen auf jüdischen Leichensteinen sind doch nur hebräisch, und die Jahreszahlen nach jüdischer, nicht nach christlicher Zeitrechnung festgesetzt. . D. H.