Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft
- Article
- Literatur [Rezension]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
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- IRI
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276 Rubrik: ״Das Gebet -es Arztes. Eine Novellenskizze von LadislauZ Tarnowski,״ mitgetheilt wurde, räumen wir demnach um so mehr gern auch einen Platz in der Sulamith ein , als es der Tendenz derselben angcmeffen ist und hier zu finden sein muß. *) Zn der Abend- *) Es lautet: ״Lagesgebet eines-Arztes, bevor er seine Kranken besucht. (Aus der hebräischen Handschrift eines berühmten jüdischen Arztes zu Ägypten im 12. Jahrh.)^ Allgütiger! Du hast des Menschen Leib voller Weisheit gebildet. Zehntausend Werkzeuge hast Du in ihm vereint,, die unablässig thätig sind, um das schone Ganze, die Hülle der Unsterblichen, zu erhalten und zu ernähren. Immerdar sind sie still beschäftigt, voller Ordnung, Uebereinstimmung und Eintracht. Aber wenn die Gebrechlichkeit des Stoffes, oder die Zügellosigkeit der Leidenschaften diese Ordnung, diese/Eintracht unterbricht, so gerathen die Kräfte in einen Widerstreit, und der Leib zerfällt .in seinen Urstaub, Du sendest dann dem Menschen die wohlthätigen Boten, die Krankheiten , die ihm die mahnende Gefahr verkünden, und ihn treiben, sie in Zeit abzuwenden. -- Deine Erde, Deine Ströme, Deine Berge Hast Du mit heilsamen Stoffen geschwängert, Die Deiner Geschöpfe Leiden vermindern und ihrem Untergang abzuhelfen vermögen. — . Und dem Menschen hast Du Weisheit errheilet, des Menschen Leib zu lösen, und sein Gewerk in Ordnung und in Unordnung zu erkennen; auch jene Stoffe aus ihrem Behältnisse hervorzuarbeiten, ihre Lugenden zu erforschen, und e,inem jeden Übel gemäß He zuzubereiten und anzuwenden. — Auch mich hat.Deine ewige Vorsicht erkohren über Leben und Gesundheit Deiner Geschöpfe zu wachen. Ich schicke mich nun an zu meinem Berufe. Stehe mir bei, Allgütiger, in diesem großen Geschäfte, daß es fromme! Denn ohne Deinen Beistand frommt ja den Menschen auch das Kleinste nicht! — Laß Liebe zur Kunst und Deinen Geschöpfen mich ganz beseelen. Gieb os nicht zu, daß Durst nach Gewinn, Ruhm oder Ansehen sich in mein Betrieb mische! Denn diese sind der Wahrheit und der Menschenliebe feind, und könnten mich irre leiten in dem großen Geschäfte, Deinen Geschöpfen wohlzuthun. — Erhalte die Kräfte meines Körpers und meiner Seele aufrecht, daß unverdrossen sie immerdar bereit seien, dem Reichen und dem Armen, dem Guten und dem Bösen, dem Freund und dem Feind. Laß im Leidenden mich stets nur den Menschen sehn.. Er ist ein Mensch!