Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft
- Article
- Der Golem und die Ehebrecherin
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Und eile fort mit deiner Beut', Au kämpfen mit dem Tod, Und wenn er dir ganz nahe kommt, Und will sein weiß Gewand, Dann sag' ihm, nichts dein Bitten frommt, Bis du die Schuld bekannt, Die uns die Pest herbeigeführt, Die Kindlein uns geraubt; Und so das Wort der Golem führt, Und Rabbi Lob ihm glaubt. Er eilet noch um Mitternacht Auw Friedhofe allein; Der Hüter Jsr'els immer wacht, ' Er wird dir gnädig sein. — Der Mond, er scheint so mild und blaß, Der Sturm, er heulet sehr, Und feucht ist aller Gräber Gras, Die Welt scheint todt und leer. Doch endlich kreischt es in der Lust, Ihm geht's durch Mark und Bein; Es öffnet sich die Todesgruft Beim Hellen Mondenschein. Und todte Kindlein tanzen bald Und bilden einen Kreis; Der Rabbi raubt ein Hemd so kalt Und schleicht sich fort ganz leis'. Und als der Rabbi nun zu Haus, Wird ihm der Athem schwer, Und immer tönt's im Sturmgebraus': „Mein Todtenhemd gieb her!" O sage mir, du Kindlein todt, Der Rabbi immer fragt, Woher die Pest, die grause Noch, Die uns anjetzo plagt? So geh' nach jener Straße hin, Dort ruht die Sünde schwer, Dort wohnt 'ne Ehebrecherin; Nun gieb mein Kleid mir her.