Mannheim
Compact Memory

Sulamith · 1834-01-01 · Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft · p. Seite 256

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sulamith
Volume
Achter Jahrgang (1834-1843)
Issue
Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft
Article
Der Golem und die Ehebrecherin
Date
1834-01-01
Page
Seite 256 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2304627-2304643-2304645-10852155-2312974--09597-2313631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

256 Und eile fort mit deiner Beut', Au kämpfen mit dem Tod, Und wenn er dir ganz nahe kommt, Und will sein weiß Gewand, Dann sag' ihm, nichts dein Bitten frommt, Bis du die Schuld bekannt, Die uns die Pest herbeigeführt, Die Kindlein uns geraubt; Und so das Wort der Golem führt, Und Rabbi Lob ihm glaubt. Er eilet noch um Mitternacht Auw Friedhofe allein; Der Hüter Jsr'els immer wacht, ' Er wird dir gnädig sein. — Der Mond, er scheint so mild und blaß, Der Sturm, er heulet sehr, Und feucht ist aller Gräber Gras, Die Welt scheint todt und leer. Doch endlich kreischt es in der Lust, Ihm geht's durch Mark und Bein; Es öffnet sich die Todesgruft Beim Hellen Mondenschein. Und todte Kindlein tanzen bald Und bilden einen Kreis; Der Rabbi raubt ein Hemd so kalt Und schleicht sich fort ganz leis'. Und als der Rabbi nun zu Haus, Wird ihm der Athem schwer, Und immer tönt's im Sturmgebraus': „Mein Todtenhemd gieb her!" O sage mir, du Kindlein todt, Der Rabbi immer fragt, Woher die Pest, die grause Noch, Die uns anjetzo plagt? So geh' nach jener Straße hin, Dort ruht die Sünde schwer, Dort wohnt 'ne Ehebrecherin; Nun gieb mein Kleid mir her.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.