Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft
- Article
- Der Golem und die Ehebrecherin
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 2)
- Language
- German
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255 Er lauft die Gassen auf und ab Wohl um die elfte- Stund', Die Judenstadt ist wie ein Grab; Er machet hier die Rund'. Geschäftiger Bote, sag' mir doch, Was rufst Du denn so laut? Was soll das Schrei'n und Schulgepoch'? Mir bebt vor Angst die Haut. Ich glaube fast, du bist verrückt, Weil du nicht weißt, daß Nacht. Hat dich vielleicht der Alp gedrückt, Daß rasend Du erwacht? O, gnad'ger Herr, bin nicht verrückt, Ich weiß es wohl, daß Nacht; Auch hat mich nicht der Alp gedrückt, Daß rasend ich erwacht. — Schon dreißig Kindlein liegen krank Und dreißig sind schon tobt. Es giebt noch keinen Wundertrank, Der schütze vor dem Tod. Drum treibet mich die Botenpflicht Hier in der Judenstadt, Zu fleh'n vor Gottes Strafgericht; Bei Gott ist Hüls' und Rath. Es sammelt sich bald Jung und Alt Im Tempel in der Nacht; Das Schrei'n der Beter wiederhallt Zu ihm, der immer wacht. In seinen Taltis eingehüllt Jetzt Rabbi Lob erscheint; Sein Antlitz ist so ernst und mild, Er betet still und weint. — Der Golem naht — das Bild von Thon, So plötzlich vor ihm steht: Zum Kirchhof geh', du Erdensohn, So lang' noch Nachtlust weht. Dort raube dir ein Sterbekleid Von einem Kindlein tobt,