Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft
- Article
- Ideen zu einer Geschichte des mosaisch-jüdischen Gesetzes
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 11)
- Language
- German
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236 Meinung wenigstens die Hauptmomente der in Bezug auf Talmud und Midrasch zu unternehmenden Forschungen. Näher stehen uns diejenigen Schriften, die man gewöhnlich die der Rabbinen zu nennen pflegt, eine Benennung, die gerade bei unserm Zwecke am meisten von ihrer sonstigen Ungenauigkeit verliert. Sie stehen uns nicht bloß näher, weil sie nicht durch einen so großen Zeitraum von uns getrennt sind, weil sie , wie wir, Europäer waren, sondern vorzüglich deshalb, weil sie nicht von einem so schiefen Standpunkt aus betrachtet zu werden pflegen, als die Talmudlehrcr. Der mittelalterliche Rabbine, und sei er auch ein Rasch!, ein R. Tam, ein Maimuni, ein Aderet, ein Ascher, ein Nachmani, ist immer nur ein Einzelner, hat also auch nur die Autorität der Einzelnen, wenn auch die größtmöglichste, die ein Einzelner haben kann; aber keiner ist so groß, daß man ihm den Nachweis seines Befehles aus dem Talmud, und zwar einen auf logischen Gründen beruhenden Nachweis, geschenkt hätte. Anders bei den Talmudisten. Ze befremdender es erscheint, im Mappik des He ein Gesetz versteckt zu finden, desto eher fühlt man sich geneigt, hier eine Tradition anzuerkennen, und so gelangt eine auf diese Art bewiesene Meinung eher zur Znfallibilität, als wenn der Rabbi seinen ganzen Scharfsinn zur Rechtfertigung derselben aufgebotcn; denn über den Scharfen wacht ein Schärferer. — Es kommt nun bei den Rabbinen darauf an, zu untersuchen, wie sie sich im Verhältniß zum Talmud dachten, in wiefern sie ihn als Autorität betrachteten, und wie sie ihn zu verarbeiten und weiter zu bilden vermeinten; wobei freilich zu bedauern ist, daß auf den Jahrhunderten, die für eine solche Untersuchung die wichtigsten sind, nämlich auf dem VII. bis IX., ein fast undurchdringliches Dunkel lastet. Je jünger diese Schriften wären, desto mehr kann man von ihnen sagen, daß sie nur von dem Standpunkt zu bearbeiten seren, von dem aus sie bisher betrachtet worden; denn der Geist, der im