Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft
- Article
- Ideen zu einer Geschichte des mosaisch-jüdischen Gesetzes
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 10)
- Language
- German
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235 nach der durch Verhältnisse herbcigeführten Modifikation des Wortsinnes und Anwendung des Gebotenen auf die Gegenwart. Diese Autorität ist aber nur eine scheinbar souveräne; denn in demselben Verhältniß, wie der Derasch den Peschat überflügelt und vom Felde verdrängt, überdeckt und überschattet b} das mündliche Gesetz das schriftliche; jenes flehte diesem nicht nur in so fern zur Seite, als es Gewisses aussagt, was im schriftlichen gar nicht enthalten ist (Halacha le-Mosche mi-Sinai), sondern drängt sich auch als Erklärung desselben in solches ein, oder nimmt es vielmehr in sich aus. Je schwieriger daher für uns heute eine Unterscheidung zwischen den Resultaten des mündlichen und schriftlichen Gesetzes ist — wie sie für den Talmud gar nicht eristirtc —, desto wichtiger ist sic sowohl, als auch eine Untersuchung, welche Autorität der Talmud der heiligen Schrift im Allgemeinen, und den drei Lheilcn derselben nach ihrer Rangfolge zugeschrieben; ferner, was der Talmud unter nun ■v'-cn (Nni-iiMt) und v-mviv mnn (wnnv) verstehe, und wie sich diese zu einander verhalten; was der Talmud unter Tradition verstanden , und in wie fern das Syncdrium, oder später der Patriarch, oder überhaupt ein angesehener Gesetzlchrer sich befugt glaubte, Aendcrungen oder Abschaffungen von biblischen Gesetzen zu wagen; welche Kraft sie ihren eigenen Einrichtungen für die Nachwelt beilegten; auf welche Weise - Streitigkeiten geschlichtet, und warum bei differirenden Meinungen gerade die Meinung dieses Rabbi anerkannt wurde; welches endlich die Absicht der Redakteure des, Talmud gewesen, u. s. w. Hierzu kommt noch das Verhältniß der außer-talmudischen Schriften, wie Sisra, Sifri, Mechilta, Tosefta, der kleineren Traktate und der Midraschim zu dem Talmud selbst, und das der beiden Talmude unter einander, u. s. w. Zu beobachten und hervorzuhcben sind die einzelnen Persönlichkeiten, vorzüglich der einflußreichsten Lehrer, so wie das von einzelnen Schulen Ausgegangcne. Dies wären nach unserer