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Sulamith · 1834-01-01 · Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft · p. Seite 229

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sulamith
Volume
Achter Jahrgang (1834-1843)
Issue
Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft
Article
Ideen zu einer Geschichte des mosaisch-jüdischen Gesetzes
Date
1834-01-01
Page
Seite 229 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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229 cher streng an dem von den Men gegebenen Begriff „des mündlichen Gesetzes" festhält, vermöge dessen nicht nur der ganze Pentateuch, sondern auch dessen im Talmud enthaltene Erklärungen sammt ihrem näheren Bestimmungen, dem Moses auf dem Becge Sinai offenbart worden, ja selbst derjenige, welcher den bekannten talmudischcn Satz, daß die Mischna und Gcmara dem Moses auf dem Sinai gegeben worden, in seiner wörtlichsten Bedeutung auffaßt, muß zugeb.cn, daß nicht nur die im Pentateuch ausdrücklich vcrzeichnctcn Gesetze und die als traditionell ancrkaimten Auslegungen derselben mannichfache Modifikationen erlitten haben, sondern auch, daß im Laufe der Zeit von den Wächtern des Gesetzes mannichfache Bestimmungen erlassen wurden, die — oft gegen den Willen ihrer Bestimmcr — dauernde Geltung erhielten, bald in eine gleiche Linie mit den eigentlich mosaisch-traditionellen («niTmn) traten, ja, als aus der zeitgemäßen Anschauung des Volkes hervorgegangen, und also dessen religiösen Bedürfnissen mehr entsprechend, oft größere Beachtung erhielten, als die eigentlich göttlichen. Won einem andern Standpunkt aus betrachtet, erscheint freilich das lctztgedachte Moment nicht als solches, das sich erst später in das mündliche Gesetz hineingedrängt, sondern eben als wesentliches Prinzip der Tradition. Zu jeder Zeit hat die gläubige Anschauung in dem Offenbarten daS wiedcrzufinden gewußt, was seinem Bedürfnisse gerade entsprechend war; hat — mit mehr oder weniger Bewußtsein — das Veraltete, ihm nicht mehr Zusagende abgestoßcn oder modifizirt, und das Fehlende sich aus dem Geiste des Offenbarten herausgcbildct. Ob das Neugcbildete eben aus dem Geiste des ursprünglichen Glaubens herausgebildct worden, oder ob es etwas Fremdartiges, durch Zufall in ihn Hineingekommenes sei, zeigt uns die Geschichte dieser Entwickelung selbst, indem nur das eigentlich Jüdische sich erhielt, durchgebildet und fortentwickelt wurde, das Aeußerliche, Angebildete nach und nach ausschied. Es wird also

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