Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2304627-2304643-2304645-10852155-2312944--09495-2313587- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
212 Auge mußte dieses das geliebte Vaterland, mußte es Alles verlassen, was cs Irdisches besaß, aber in ihm blühte noch lebendig, frisch, ungebrochen die eigentliche Kraft, das Centrum seines ganzen Daseins und Lebens, sein Gedanke, sein Prinzip, und daß dieses nicht verkümmere auf irgend einem versteckten Winkel der Erde, wurde ihm, dem waffenlosen Volke, als Träger desselben eine neue große, weite Hetmath, die ganze Welt, zur Wohnstätte angewiesen. Juda trat heraus aus seiner bisherigen Einseitigkeit in die großen Bewegungen der Weltgeschichte, aber mit diesem seinen Eintritt beginnt auch seine große und lange Leidensgeschichte, sein Märtyrerthum, jenes beispiellose Phänomen, daß ein Volk nicht nur sein ganzes irdisches Besttzthum verliert, sondern auch getrennt, zersplittert, zerstreut umhcrirrt lauf der weiten Erde, und dennoch eins bleibt und sich eins suhlt in dem Gedanken an das Eine, Ewige und Göttliche, das ihm allein geblieben von all' der alten Herrlichkeit, und das unter alle Himmelsstriche, unter alle Völker zu tragen und durch alle Stürme des Geschicks, durch alle freudigen rind trüben Lagen hindurch zu erhalten, mit seinem Blute zu erhalten, jetzt seine Aufgabe war. Aus einem bcsondem Volke war nun Juda nur Träger eines bestimmten Prinzips, eines Gedankens, des einzigen Schatzes geworden, den es aus dem Heimathlande mitgenommen, und dieser großen Mission, rmd in ihr der Weltgeschichte, hatte es jetzt zum Opfer zu bringen die Schranken seiner Individualität und Nationalität, und Alles , was damit zusammenhing; liebend mußte es sich der Welt in die Arme werfen, und sich nur immer heftiger an sie schmiegen, je mehr es von ihr zurückgestoßen wurde; Juda war ein kosmopolitisches Volk geworden, und auf seine Schulter nahm cs seine Ideen und trug sie hinüber in die neue Zeit, und wohin wir mich nun blicken mögen auf der weiten Erde, da hören wir seine Stimme, da tönt uns sein Name, sein Ruf entgegen. Aber die Weltgeschichte spielt oft grau-