Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 3)
- Language
- German
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209 leiblich zu Grunde. So sehn wir große Heldenvölkcr der Geschichte, Völker, deren Beruf es war, eine hohe unwichtige Rolle in dem Drama der Weltgeschichte zu spielen und einen großen Gedanken der Gottheit zu vollführcn, nach und nach auftrcten, aufblühn und dahinstcrben, und wahrlich! das Herz des Historikers, das sich nun so lange geweidet und erfrischt an all' ihrer Größe und Hoheit, muß erfüllt sein von einer tüchtigen Dosis kräftiger Philosophie und Poesie, um auch den Anblick ihres langsamen Dahinwelkens ertragen zu können. Denn es ist ja auch hier mit der Leib, die bestimmte, besondere Form , die, als einseitig, sich aUflösen und zu Grunde gehn muß; die That aber ist ein Akt der Weltgeschichte, die sie auch liebend in ihre Arme aufnimmt; sie ist unendlich, ewig, und lebt und blüht, als eine Errungenschaft der ganzen Menschheit, noch fort in der Brust der spätesten Geschlechter. Gehn wir mit diesen Anschauungen und Ueberzeugungcn nun an die Betrachtung der Geschichte des jüdischen Volkes, so wird uns dieselbe das Bild eines ganz eigenthümlichen Heldenlcbens entwickeln. Bon jeher hat man gerade diese Geschichte mit einer^ beispiellosen Lauheit und Halbheit, und dabei nur immer mit dem Auge des krassesten Vorurtheils betrachtet und behandelt, man wollte hier der Wahrheit einmal nicht ins volle Antlitz schauen, aus Furcht, ihr Anblick möchte nur unbequem und lästig werden , ja man hält für dieses Thema gleich eine Menge von Stich- und Schimpfwörtern in Bereitschaft, die als Produkte einer bornirtcn Anschauung, aus einem wissenschaftlichen Munde wenigstens nicht gehört werden sollten; man spricht gleich von der „ Starrheit," der „Zähigkeit," dem „Egoismus" und „lächerlichen Nationalstolz" der Juden und dergleichen mehr, man schneidet mit einer gränzenlosen Willkür ihre Geschichte bei dem Punkte ihrer Zerstreuung gänzlich ab, und betrachtet sie von da an nur als einen tobten, von der Weltgeschichte umhergcworfencn Körper, als eine Ruine aus alter Zeit,