Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band viertes Heft
- Article
- Historische Betrachtungen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 2)
- Language
- German
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208 hat. Und ein solches geistiges Helden - und Märtyrerthum offenbart und entwickelt uns die Geschichte des jüdischen Volkes in großartiger Weise. Wenn wir die Weltgeschichte nicht als ein bloßes Aggregat verschiedener Zufälligkeiten, als ein zusammengewürfeltes Bild mannichfachcr Erscheinungen und Begebenheiten, sondern als die unendliche That der einen und ewigen Menschheit betrachten, deren Organe eben die Völker sind, so wird das philosophische und poetische Auge auch in den letztem nicht mehr bloß jenes abtrcnnende, isolircnde, feindselige, negative Moment des gegenseitigen Abstoßens, sondern in demselben auch die ewige Harmonie, jene göttliche Liebe erblicken,. in der sie sich alle vereinigen zu dem großen, schönen Ganzen, zu der göttlichen Idee, die wir Menschheit nennen. Wir sind hinaus über die Zeit, wo man die Geschichte noch mit dem Auge des kalten , trennendenzerreißenden Verstandes, oder aus dem Gesichtspunkte eines flachen Moralprinzips und theologischen Borurtheils, oder eines schalen Deismus oder gar - Skeptizismus betrachtete, die großen Dichter und Weisen der Zeit haben uns ihre mystischen Liefen geöffnet, und ihnen nach steigen wir da hinab, und wandeln da unter den Schauern des sich offenbarenden Gottes. Die Geschichte ist ein ausgesprochenes Wort, eine Offenbarung des göttlichen Geistes, die Völker sind seine inkarnirtcn Gedanken, die er hinaussendet in. die Welt, in freier Lhat seinen Willen zu erfüllen. Wie wir sie auch da an eins vvrübcrziehn sehn die Völker von Fleisch und Blut, ein göttlicher Gedanke ist ihre. Grundlage, ihr innerstes Wesen; er ist eben ihr Prinzip, ihr Begriff, das Gchcimniß ihrer Zndividualita't, und ihn zu entwickeln, für die Menschheit zu entwickeln und zu bcthätigcn, ist ihre Aufgabe, ihr Beruf. Diese Aufgabe eben ist das große Gchcimniß von dem, Leben und Sterben der Völker, mit ihr. treten sie hinauf auf .die Schaubühne der Geschichte, in ihr nur entwickeln sic sich , und mit ihrer Erfüllung und Rcalisirung gehn sic