Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band erstes Heft
- Article
- Lehrt das Judenthum wirklich allgemeine Menschenliebe?
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
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13 Fremden, der durch seine Religion nicht zur strengen Sabbathfeier verbunden ist, arbeiten lasten. Aber wie bautet das Gesetz Mose's? „Da," heißt cs: (am Sabbath) „sollst bu kein Handwerk verrichten, weder du selbst noch dein Sohn oder deine Tochter, d e in K,n e cht o der d eine Magd oder dein Bich, oder dein Fremdling, der in deinen Thoren ist." Also selbst wo unermeßlicher Schaden durch die Sabbathfeicr entstehen könnte, wie z. B. was bei dem Feldbgu treibenden Israeliten des mosaischen Staates häufig Vorkommen konnte, we nn die reife,Aernte am Sabbath nicht eingethan und morgen durch ungünstige Witterung zerstört würde, dürfen die Knechte und Fremden nicht für diese Arbeiten in Anspruch genommen werden, „damit dein Ochs und Esel ruhe und, sich erhole .dein Sklave und der Fremdling" (2. M. 23, 12.). Ob wir wohl in dem gebildeten Europa im neunzehnten Jahrhundert eine aufopferndere Religiosität und Humanität finden? Ob man da z. B. dem vielgeplagten Postillon, der die ganze Woche hindurch Tag und Nacht angestrengt, auf dem Pferde schläft, den Sonntag durchaus zur Ruhe und Erholung gönnt? — Mögen wir auch nicht leugnen, daß die von den spätern Casuisten allzu subtil und religiös ausgesponnene jüdische Feier dcsSabbaths kaum im europäischen Leben ausführbar sei, so muß man doch andererseits einräumen, daß im Wesen des mosaischen Sabbathgesetzes der Glaubensgenosse mit dem Nichtglaubcnsgenossen, der Dienstherr mit dem Sklaven, der Reichste mit dein Aermsten gleichgestellt und die durch den Sabbath selbst »ütbczweckte Milde und Menschlichkeit auf die untergeordnetsten Menschen und selbst auf das Thier ausgedehnt sei. Eben so klar tritt uns das Prinzip der ausgedehntesten Humanität im mosaischen Gesetz bei den folgenden Geboten des Dekalogs entgegen. Heißt es da etwa: Du sollst keinen Israeliten morden, btt darfst dir keinen Ehebruch, keinen Diebstahl, kein falsches Zcugniß erlauben gegen Jemanden