Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band erstes Heft
- Article
- Lehrt das Judenthum wirklich allgemeine Menschenliebe?
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
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II stens die Andeutung solchen Prinzips und solcher Tendenz in den 10 Geboten um so gewisser zu erwarten, als diese das Grundgesetz des Mosaismus bilden. Aber sie enthalten auch nicht die leiseste Spur von derartiger Intoleranz. Vielmehr führt ihr Inhalt gerade auf das Gegentheil. Denn an der Spitze derselben steht das Gebot des strengsten Monotheismus: „Ich bin der Ewige , dein Gott, der ich dich herausgesührt habe aus dem Lande Mizrcijim, aus dem Hause der Knechte. Du sollst keine andere Götter haben vor meinem Angesichte" rc. Wenn demnach,dem Israeliten cingeschärft ist, nur Einen Gott als das alleinige höchste Wesen zu verehren, somit zu denkendaß außer diesem einzigen Gotte kein anderer cxistirc, der etwa mit seinem hesondcrn Bereiche und eigenen Schutzvolke jenem Gotte und dessen Schutzvolke feindlich cntgcgenstehe, vielmehr zu glauben, daß cs für alle Völker und Menschen nur einen und denselben Schöpfer und Vater, Erhalter und Regierer gebe, muß er da nicht conscqucntcr Weise jeden Menschen und jedes Volk sich und seinem Volke gleich betrachten, Alle als gleiche Kinder desselben Allvaters schätzen? Kann es eine Idee geben, die mehr von Grund aus alle Entgegensetzung und Ausschließung zwischen den Menschen aufhöbe, die fruchtbarer alle Unterschiede und Absonderungen des äußern weltlichen Verhältnisses vom höchsten Standpunkte des Denkens und Glaubens ans vernichtete und die Menschen aller Farben und Zonen, aller Rcligionsgenossenschaften rmd Glaubcnsrichtungen, im Höchsten einigte, im Vater Aller verbrüderte? Konnte bei dieser sinaitischcn Eingotteslchre der, die 'ganze Menschheit umschlingende, Friedcnsgedanke ausbleibcn: „Haben wir nicht Alle Einen Vater, schuf uns nicht Ein Gott, warum soll Bruder gegen Bruder untreu sein?" (Mal. 2, 10.) — Gewiß, wenn in unfern Tagen noch so viele Spaltungen und Kampfe zwischen den Söhnen des Glaubens an den Einigen unscrm Blicke begegnen, so rührt diese traurige Erscheinung eben nur daher, daß jene