Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band erstes Heft
- Article
- Einige beherzigungswerthe Worte
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 sie sich an diejenigen anschmicgen, die in ihrer Nähe sind, die sich mit ihnen beschäftigen, die sie für ihre Wohlthäter erkennen, die ihnen Theilnahme erweisen; sie schenken ihnen im eigentlichen Sinne des Wortes ein blindes Vertrauen und geben sich ihnen hin mit kindlicher Zuversicht, Argwohn scheint ihrer Seele gänzlich fremd zu sein. Doch ich komme mm zu einer dritten Gabe, mit welcher die Mutter Natur diese Unglücklichen zu entschädigen, zu versöhnen trachtet: sie hat nicht Nur ihr Herz — sie hat auch ihren Geist — ihre Intelligenz — bedacht. Für das äußere hat sie ihnen ein desto schärferes inneres Auge verliehen, ein Seelcnauge. Denn weit früher und weit richtiger, als wir, entwerfen sie sich von den Personen, die sie umgeben, so bald sie deren Sprache und Stimme gehört, das treueste Bild, das nicht selten bis auf die kleinstcnund feinsten Züge zutrifft. Diese Seelengemälde — wie ich sie nennen möchte — gelingen um so besser, je unterrichteter und ausgcbildctcr die S e e l e n m a l e r sind. Bei solchen aber ist der Ton der Stimme oft hinreichend, daß sie sich von der Person, die sie gehört, eine richtige Vorstellung machen. Ein wohlunterrichteter Blinder, v. Walther, versicherte, daß er in einer Gesellschaft von zwölf ihm ganz fremden Menschen, nachdem er sic sprechen gehört, sich von jedem Einzelnen besonders und von allen Andern unterschieden, ein Bild entworfen und seine Phantasiebilder haben jedesmal der Wirklichkeit entsprochen. Und nicht nur von Personen — auch von den sie umgcbcndcn Gegenständen entwerfen sie bald, nachdem sie dieselben durch irgend einen andern Sinn öfters geprüft, ein sprechend ähnliches Bild. Durch einen andern Sinn, sage ich, denn außer der lebhaften Phantasie, und dem feinen Gehör, womit die Natur sie ausgestattet, besitzen sie ein bewundernswürdiges Gefühl, einen Lastsinn, der an's Wunderbare gränzt. Was wir schauen — hören und fühlen sie: Ohr und Tastsinn sind ihr Augen-