Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band erstes Heft
- Article
- Einige beherzigungswerthe Worte
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Gcheimniß; ft täuscht und verlockt sie nicht des Heuchlers Angesicht, das in seinen Zügen Liebe verheißt und — trauet man ihm — mit Verrath belohnt: sie sehen die Bosheit nicht und die Wuth, die aus den Augen des frechen Buben sprüht und uns Sehenden ach, so oft! den Menschen in seiner Verzerrung schauen lassen. — Die gütige Natur hat die einerseits Vernachlässigten andrerseits wohl bedacht, sie hat mit der einen Hand genommen, mit der andern gegeben, gespendet! sie scheint ihr Unrecht gefühlt zu haben und bemühtesich, sic für das Licht der Augen, das sie ihnen entzogen, anderweitig zu entschädigen.;— Keiner weiß es besser, als die Lehrer und Führer der Blinden, so wie die, denen daran gelegen ist , dieselben zu beobachten, mit wie viel trefflichen Eigenschaften die Blinden versehen sind. Wer sollte es glauben, daß Personen, die ewig im Finstern sitzen, die bie Sonne nicht schauen und den Mond nicht sehen und den mir unzähligen Welten besäctcn Himmel nicht erblicken; Personen, die die Erde nie in ihrem Festgcwand geschauet, wenn sie sich bräutlich schmückt zur Zeit des erwachenden Frühlings, Personen, die den geliebtcstcn Menschen nie in's Auge gesehen, die Vater und Mutter, Bruder und Schwester nie lächeln gesehen — wer sollte es glauben, sage ich, daß diese Personen dennoch frohen Sinnes und heiterer Gemüthsart sein können? Aber sie sind cs! sind es in einem hohen Grade! Die barmherzige Gottheit hat sie mit einer Fröhlichkeit begabt, die sich sehr oft auf Stirn und Wangen malt: die Sonne ist nicht da, und doch sieht man am Himmel eine lichte Verklärung — so cs Abend geworden. Und diese innere Fröhlichkeit hat ihren Grund wiederum in einer trefflichen Eigenschaft, die bei den Blinden fast charakteristisch ist: cs ist HerzcnSgüte, die der Menschenkenner und Beobachter an den Blinden entdeckt, besonders an den schuldlosen und unverderbten Kindern beiderlei Geschlechtes. Es ist rührend zu schauen , mit welcher Gutmüthigkcit und Liebe י 1