Mannheim
Compact Memory

Sulamith · 1834-01-01 · Achter Jahrgang erster Band fünftes Heft · p. Seite 304

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sulamith
Volume
Achter Jahrgang (1834-1843)
Issue
Achter Jahrgang erster Band fünftes Heft
Article
Einige Bemerkungen über den Aufsatz des Herrn Dr. Freistadt: Haben die Juden Glaubensartikel oder nicht?
Date
1834-01-01
Page
Seite 304 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2304627-2304643-2304644-10852136-2312000--08755-2312527
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 304 — es keinem Zweifel unterliegt, daß die Glaubenslehren der Israeliten auch unabhängig von dem Kriticismus eine feste Stütze haben. Mit der erwähnten Verkennung der Mendelssohnschen Ansicht scheint es auch genau zusammenzuhängen, daß Mendelssohn's Argumentation aus den heiligen Büchern, unter deren Vorschriften kein einziges lautet: ״ Du sollst glauden" (vergl. Jerusalem 120.) in diesem Aufsatze eine theils unklare, theils ungenügende Widerlegung gefunden hat. *) Die heilige Schrift setzt voraus, ״man könne ihre Lehren, ohne ein ruchloser Thor zu sein, nicht läugnen." Aber ist dies nicht eben der Zweck der heiligen Schrift, die Jsraeliten vor Thorheit und Ruchlosigkeit zu bewahren? Meint aber der Verfasser, es sei zu diesem Zwecke keine übernatürliche Offenbarung nöthig; nun, dann stehen wir wieder auf dem Mendelssohnschen Standpunkte, und was bedarf's denn der Glaubensartikel im Judenthume, deren Nothwendigkeit sich nur auf die Voraussetzung gründet, daß die Offenbarung am Sinai auch in Beziehung auf die nichtpositiven Lehren und Verordnungen ein Bedürfniß der Menschheit war? Irren wir nicht, so hat das Nichtvorkommen des Ausdrucks ״Glauben" in den Büchern weise entwickelt sind; so finden wir auch in den Schriften der Propheten und der Rabbinen, daß sie die Lehren des Gesetzes und die eigentliche Weisheit (Philosophie) von einander trennen, und als zwei verschiedene Wissenschaften betrachten. Die wahre Weltweisheit gelangt durch Vernunftgründe zu denselben Resultaten, welche uns das Gesetz auf dem . Wege der Tradition mittheilt. Und alle Stellen der Schrift, in welchen die Rede ist von der Wichtigkeit und den Vorzügen der Weisheit, beziehen sich auf die Philosophie, welche uns die Lehren des Gesetzes durch Beweise begründet." *) Der S. 18. angeführte Vers 3. B. M. 15, 39, wo die Schrift vor übersinnlicher Forschung warne? soll vielleicht heißen: S. B. M. 29, 28?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.