Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang erster Band fünftes Heft
- Article
- Einige Bemerkungen über den Aufsatz des Herrn Dr. Freistadt: Haben die Juden Glaubensartikel oder nicht?
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 4)
- Language
- German
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— 302 — Seele verhalten (a. a. O. 119.). Konnten wir des Verfassers Auffassung der Mendelssohnschen Ansicht nicht, bil-, ligen, so versteht es sich von selbst, daß wir auch den Grund verwerfen müssen, auf welchen er die Wiedereinführung -der Glaubensartikel stützet. Nicht deßwegen, wie Freistadt bemerkt, weil Kant das vermeinte Wissen der Dogmatiker eingeschränkt hat, sind die Glaubensartikel dem Judenthum wesentlich und nothwendkg. Wer möchte das Gebäude unserer geoffenbürten Religion auf das wankende Fundament der Weltansichten eines, wenn auch noch so ausgezeichneten Sterblichen errichten? Die Realität des Glaubensbegriffes im Judenthum beruht darauf, daß wir zwar einerseits mit Mendelssohn annehmen, Gott habe uns allerdings schon durch die Natur und die Erfahrungen des Lebens mit seinem Willen und seinen Nathschlüssen bekannt gemacht, andererseits aber, Mendelssohn gegenüber, dafür halten, daß die Vernunftreligion der Offenbarung zu ihrer Bewährung und Begründung bedürfe, daß sie durch dieselbe an Gewißheit und Zuverlässigkeit gewinne und daß darum die Gottheit in einer Zeit, wo sie in ihrer Unergründlichen Weisheit das Bedürfniß erkannte, ihre Offenbarungen an ein Volk ergehen ließ, welches durch seine frühem Schicksale am meisten zum Verständniß und zur Verbreitung derselben geeignet war. Zugleich ergiebt sich nun aus der obigen Bemerkung über Freistadt's Auffassung der Mendelssohnschen Ansicht, daß auch dann, wenn ein vorhandenes oder künftig auftretendes dogmatisch-philosophisches System allgemeine Anerkennung finde, dieser Realität des Glaubensbegriffes im Judenthum kein Abbruch geschehen könne, indem Spekulationen über das Übersinnliche nur die Sache einer geringen Minorität sind und der Glaube immer das Bedürfniß des bei weitem größten Theiles der Menschheit bleiben würde. Und hat denn auch Kant seine Lehre von der Subjektivität unserer metaphysischen Ideen mit geometri--