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Sulamith · 1834-01-01 · Achter Jahrgang erster Band fünftes Heft · p. Seite 301

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sulamith
Volume
Achter Jahrgang (1834-1843)
Issue
Achter Jahrgang erster Band fünftes Heft
Article
Einige Bemerkungen über den Aufsatz des Herrn Dr. Freistadt: Haben die Juden Glaubensartikel oder nicht?
Date
1834-01-01
Page
Seite 301 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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301 — liten die geossenbartm Lehren, die sie nicht wissen können, und die sie nicht glauben sollen. Sodann hätte Mendelssohn, wenn des Verfassers Gesichtspunkt richtig wäre, eine unbegreifliche und unverzeihliche Übereilung sich zu Schulden kommen lassen. Was bewog ihn, die Glaubenslehren zu verwerfen; warum ließ er dieselben nicht in ihrer Gültigkeit stehen für den größten Lheil der Nation, für die Nichtphilosophcn? Es ist aber gewiß, Mendelssohns polemisches Auftreten gegen Maimonides und dessen Nachfolger hat nichts gemein mit seinem Dogmatismus,-es gründet sich vielmehr auf seine Überzeugung, daß alle rernünftige Wesen durch die natürliche Offenbarung, durch die Schöpfung, von den ewigen Wahrheiten zwar kein apodiktisches Wissen, aber -schon einen solchen Grad der Erkenntniß erlangen , welcher zur Lugend und Glückseligkekt nothwendig ist, (vergl. Jerusalem, S. 111 und 163); aus welcher Überzeugung sich von selbst ergiebt, daß die geoffenbarte Gesetzgebung nicht Belehrung über die ewigen Wahrheiten bezweckte, also auch nicht diese dem Glauben der Nation aufdringe und nur deßwegen in sich aufnahm, weil die positiven Gesetze sich auf ewige Vernunftwahrheiten beziehen und beide sich zu einander wie Körper und *) *) Die heutigen, Mendelssohns Behauptung nachschreibenden Katecheten, deren vo. Freistadt Erwähnung thut, können sich daher aus diese Ansicht Mendelssohns stützen, und F. geht offenbar zu weit, wenn er meint, (Seite 17.) ״ sie seien in die traurige Alternative versetzt, entweder zu jenem so siegreich bekämpften starren Dogmatismus zurückzukehren , oder dem die wahre Religiosität untergrabenden, modernen Spinozismus sich in die Arme zu werfen." Übrigens scheint auch Herr Or. Steinh eim nach den Resultaten in feinem berühmten Schiboleth keine Glaubenslehren im Judenthume anzunehmen, wiewohl dieser ausgezeichnete Denker und Gelehrte den Mendelssohnschen Standpunkt gänzlich verwirft und die übernatürliche Offenbarung der ewigen Wahrheiten als ein nothwendiges Bedücfniß der Menschheit betrachtet.

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