Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang erster Band viertes Heft
- Article
- Ansichten des Rabbi Isr. Sangeri über die Bennungen Gottes, welche in der heiligen Schrift vorkommen, in einem Gespräche zwischen einem Rabbiner und einem afrikanischen Könige, der zur Israelitischen
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 8)
- Language
- German
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— 232 — Adonai, welcher so viel bedeutet, als mein Beherrscher, und fügt dann oft in metaphorischem Sinne noch örtliche Bestimmungen hinzu, als: der im Himmel thront, der in Zion wohnt u. a. Überhaupt werden dem göttlichen Wesen, bei seiner absoluten Einheit, mannichfaltige Attributionen beigelegt, die ihren Grund in der Verschiedenheit des menschlichen Vorstellungsvermögens haben, wie auch aus der einzigen Sonne vielartige Strahlen ausgehen. Dieses Gleichniß wäre aber nur dann vollkommen treffend, wenn die Sonne auch nicht anders als vermittelst ihrer Strahlen erkannt werden könnte. Es ist nöthig, daß wir bei diesen Betrachtungen etwas verweilen; denn man könnte hier einwenden: Wie können wir auf einen bestimmten Ort beziehen, was durch keinen Raum beschränkt ist, und dabei glauben, das Angedeutete sei der Urheber aller Dinge? Zur Widerlegung dieser Ein- Wendung schicken wir die Bemerkung voraus, daß wir überhaupt durch die Sinne nicht das eigentliche Wesen der Gegenstände zu schauen vermögen; nur ihre Eigenschaften nehmen wir wahr und ihre unterscheidenden Kennzeichen. Wir erkennen z. B. den König nicht an seinen Gesichtszügen, seinem Wüchse, seiner äußern Bildung. Wir sehen nichts an ihm, was ihn eigentlich als König charakterisirt. Sein Ornat ist nicht im Kriege wie im Frieden, nicht in seinem Pallaste wie außerhalb desselben. Wenn man bei seinem Anblicke sagt, er sei der König, so ist dies , nicht, weil man aus seiner äußern Gestalt vermittelst der Vernunft den Schluß zieht, er müsse der König sein; denn die äußere Gestalt kann sich durch das Alter und durch Krankheiten verändern, ohne daß seine Würde dadurch eine Beränderung erleide. Wir sagen, er sei der König, weil wir uns erinnern, ,daß er uns Befehle ertheilt, Gesetze gegeben!c.; dies sind aber lauter Merkmale des Innern Menschen, einer Substanz, auf die man nicht Hinweisen kann, und sobald diese Substanz vom Körper weicht, ist auch der König weg,