Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang erster Band drittes Heft
- Article
- Literatur [Nachricht]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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17S nach mehrtausendjähriger Menschengeschichte, die Namen der fremdesten Erdstriche neben einander; warum nicht bei den Juden? Gerade sie tragen ihre Narben alter ehrenvoller Wunden, und auf Wegen des Blutes und der Thränen sind diese Namen zu uns gekommen. — Doch wozu dieser Aktenwust, wozu die mühselige Erkämpfung eines Rechts zu dem, was Gott, nicht ein Mensch, verleihet? Leib und Seele, Lust und Sprache, Geist und Empfindung bleiben jedes Menschen unverletzliches Eigenthum. Namensbesitz wie Namenwahl ist ein geheiligtes Recht der Eltern, der Familien, dessen Erfindung keinem gesetzlichen Akt zusteht, keine Sittlichkeit fördert, keiner Unordnung steuert, keiner Religion Gedeihen schafft. Das Christenthum ist für Liebe und Erkenntniß aufgetreten, nicht für Privilegien seiner Bekenner; darum dürfen diese sich nicht einmal hinter die Paar Namen verschanzen, die wie Dodjeschu (bei den Syrern) Christhold, Christophorus und dergl., die eigentlichste Beziehung zu Jesus als Christus ausgesprochen, denn der Jude, der so heißt, thut nichts tadelnswerthes oder liebloses, und unschuldiger ist es sicherlich, als Jude Christlicb zu heißen, denn der Christ Judenfeind *) oder Judenbreter (s. die Chroniken von Königshoven und Herzog). Jndeß sind diese Namen bei den Juden durchaus ungewöhnlich, und wer sie mit Gefahren ertrotzen will, wäre eher ein christlicher, als ein jüdischer Märtyrer. Christian ist schon ein weniger bezeichnender Name, und wirk« *) Wir kannten in Leipzig noch vor wenigen Jahren zwei Brüder, welche Judenfeind hießen und Briefträger waren. Ihre Bestimmung war früher — freilich ein sonderbarer Zufall — bloß den fremden Juden während der Messen ihre Briefe zu überbcingen. Sie waren indcß gutmüthige, brave Männer, und so lieblos und tadelnswerkh auch die ersten Erfinder dieses Namens waren, so sieht man doch auch hier, daß der Name nichts zur Sache thut. D. H.