Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang erster Band drittes Heft
- Article
- Literatur [Nachricht]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Der Blumenstrauß, den die junge Dichterin an den Abhängen des Parnassus pflückte und den sie in dieser Sammlung dem Publikum übergiebt, duftet um so angenehmer, da ihn eine wohlthä'tige Hand darreicht. Sind es freilich nur Lenzesblumen, so athmet doch d^er größeres Lheil derselben ein warmes, kindliches Gefühl, wie man es von einer so jugendlichen Dichterin nur erwarten kann. Im Widerspruche damit steht Manches, was für ein weib- Liches Gemüth zu männlich erscheint (s. Trinklied, S. 75.), noch Anderes (s. Loblied der Cholera, S. 124, das Zahnweh, S. 12 7.) ist etwas tändelnd gehalten., Von dem mancherlei Trefflichen, das die Sammlung enthält, möge Folgendes als Beispiel dienen, (S. 32.): so wie ihr Dlchtertalent schätzend, ersuchen wir Sie übrigens,, uns bisweilen mit Beiträgen für unsere Sulamith zu erfreuen. Ihre Gedichte sind auch in der Abendzeitung günstig beurtheilt worden, und Theodor Hell äußert über dieselben, daß, wenn auch in solchen jugendliches ungeregeltes Feuer enthalten sei, man in ihnen doch viel herzlich Unbefangenes, Anspruchloses, Ungemachtes finde, das wohl thue. Dem Rhythmus sei großentheils sein Recht Widerfahren, die Sonnette zeigen Gewandtheit im Versbau, überall walte ein reiner Sinn, ein gläubiges und ein reges Gefühl vor. Daß eine junge Dichterin, und besonders wenn sie gar eine Israelitin ist, nicht auch, wie anderweitig hier der Fall war,, vyn ungünstigen und mit Spott gewürzten Beurtheilungen verschont bleiben kann, in welchen das Unvollkommenere und Mindergelungene gerügt wird, versteht sich von selbst. Wir wünschen indeß, daß diese Dichterin, mit Benutzung und Befolgung manches in den Zeitblättern ihr gegebenen Winkes und mit künftiger Vermeidung mancher kleinen Mangel, sich durch die günstigen Bemtheilnngen aufgemuntert fühlen und von den ungünstigen nicht abschrecken lassen möge, auch ihre fernem Geisteserzeugnisse nntzutheilen, und zugleich dadurch den Beweis zu vermehren, daß es auch jetzt noch in Israel, gewissermaßen ähnlich den Prophetinnen Miriam, Debora u.A., geistreiche Dichterinnen geben könne,—- D.H,